Krawall kurz vor der Ziellinie: Berliner NABU im Abseits

Entscheidungen zu alternativer Munition werden wissensbasiert getroffen

(Berlin, 30. Januar 2014). In einer aktuellen Pressemeldung fordert Rainer Altenkamp, zweiter Vorsitzender des Berliner Naturschutzbundes (NABU), die Aberkennung des Naturschutzstatus des Deutschen Jagdverbandes (DJV) und der Landesjagdverbände. Anlass ist der Tod eines Seeadlers, der an einer Bleivergiftung durch Geschossreste gestorben sein soll. Man nehme wissentlich in Kauf, dass die Greifvögel sterben, wenn man weiter mit bleihaltiger Munition schieße, so Altenkamp.

Der DJV und der Landesjagdverband Brandenburg (LJVB) weisen diesen Angriff aufs Schärfste zurück. „Erstens handelt es sich bei diesem populistischen Vorwurf um einen tierschutzrelevanten Sachverhalt und dieser hat nichts mit den umfangreichen Naturschutzaktivitäten des DJV und der Landesjagdverbände zu tun“, stellt DJV-Vizepräsident Dr. Wolfgang Bethe die Situation klar. „Zweitens haben Forschungsergebnisse des Bundes ergeben, dass es immer noch bleifreie Munition am Markt gibt, die nachweislich nicht tierschutzgerecht tötet, ohne dass der Jäger dies auf der Schachtel erkennen kann.“

Die Jäger in Deutschland erlegen etwa 1,6 Millionen Rehe, Hirsche und Wildschweine pro Jahr. Es sei nicht nur grob fahrlässig, sondern tierschutzrechtlich katastrophal, wenn weiter – so wie es der NABU fordert – mit unzureichender Munition geschossen würde. „Wir müssen uns an neuen wissenschaftlichen Studien orientieren und brauchen verlässliche Kriterien für die Tötungswirkung von Büchsenmunition“, so Bethe. Eine sofortige Umstellung auf bleifreie Munition sei nicht mit dem hohen Tierschutzgedanken der Jäger vereinbar.

Der DJV hatte im Zuge der Seeadlerproblematik Forschungsprojekte angestoßen und maßgeblich unterstützt und eine wissensbasierte Lösung für die Nutzung bleifreier Munition gefordert. Die Ergebnisse der jahrelangen Forschung werden im März auf einem Symposium vorgestellt. „Den wissensbasierten Weg sollten wir zu Ende gehen und dann entscheiden. Angriffe zehn Meter vor dem Ziel sind genauso unnütz wie das Ablenken vom eigenen ideologischen Fehlverhalten“, so Bethe. Der NABU war in den vergangenen Jahren in unterschiedlichen Beweidungsprojekten wiederholt mit schwersten Tierschutzvergehen aufgefallen.[1]

 

[1] http://www.animal-health-online.de/gross/2009/04/09/verhungert-ins-eis-eingebrochen-erneut-rinder-bei-nabu-projekt-verendet/10736/

http://www.taz.de/!16709/

http://www.wildundhund.de/home/5948-nabu-laesst-heckrinder-verhungern

http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/radolfzell/User-ueben-heftige-Kritik-an-Nabu-Projekt;art372455,3719687