Pressetipp 4/14

Mit der Flugdrohne Rehkitz und Junghase vor der Mähmaschine retten

Wenn im Mai ein seltsames Fluggerät langsam über Wiesen fliegt, steht keine Invasion vom Mars bevor, sondern Jäger spüren mit diesem sogenannten Oktokopter Rehkitze und anderes Jungwild auf, um die Tiere vor den scharfen Messern moderner Mähmaschinen zu retten. Bei der frühen Mahd der Wiesen zur Silagegewinnung und bei der späteren Heuernte werden bundesweit etwa 100.000 Kitze, Junghasen und Bodenbrüter tödlich verstümmelt. Werden die Jungtiere nicht vor dem Mähen entdeckt, drücken sich die Tiere instinktiv vor dem lärmenden Traktor in das hohe Gras, bis sie vom Mäher erfasst und zerstückelt werden. Neben neuesten Hightech-Methoden der Jungwildrettung, bei denen Infrarot- und Mikrowellen-Detektoren eingesetzt werden, haben sich jedoch auch traditionelle Mittel bewährt.

 

Der Minihubschrauber Oktokopter kann in 15 Minuten mit Infrarotdetektor und Videokamera bis zu 40.000 Quadratmeter Wiese absuchen. Dies ermöglicht binnen kurzer Zeit eine effiziente Jungwildrettung auf großer Fläche. Entdeckt die Flugdrohne ein hilfloses Jungtier, registriert das Gerät den genauen Fundort. Dann können die Jäger die Jungtiere behutsam vor den scharfen Messern der Mähmaschinen retten. Der Oktokopter wird zur Serienreife entwickelt und befindet sich noch in Testläufen.

 

Infrarottechnik, teilweise kombiniert mit Mikrowellendetektoren, kommt auch in den handlichen Suchgeräten zum Einsatz, mit denen Jungwild aufgespürt werden kann. Die gleiche Technologie wird in Wildrettern eingesetzt, die Landwirte auf ihren Mähmaschinen installieren können.

 

Eine einfache und kostengünstige, aber wirkungsvolle Methode zur Rettung des Jungwildes wenden Jäger der nordhessischen Hegegemeinschaft Knüll an: Sie stellen rechtzeitig vor der Mahd auf Pfählen die kleinen Plastikwindmühlen auf, die als Kinderspielzeug in jedem Spielwarengeschäft preisgünstig erhältlich sind. Das ungewohnte surrende Geräusch der Mini-Windmühlen, das je nach Windstärke ansteigt oder abebbt, vertreibt Muttertiere und Nachwuchs aus dem hohen Gras. Grundsätzlich sollten Landwirte die ortsansässigen Jägerinnen und Jäger rechtzeitig über die Mähtermine informieren. Nur dann können die Grünröcke am Morgen vor der Mahd Infrarotdetektoren einsetzen oder am Vorabend auf den Wiesen leere Dünger- und Kunststoffsäcke als Wildscheuchen aufstellen. Diese Scheuchen veranlassen die Muttertiere, nachts ihre Kitze von diesen Flächen wegzulotsen. Falls sich der Mähtermin – etwa wegen schlechten Wetters – verschiebt, besteht jedoch die Gefahr, dass sich die Rehe an die Wildscheuche gewöhnen und ihre Kitze erneut auf der Wiese verstecken.

 

Jäger können das Wiesenstück kurz vor der Mahd mit dem Jagdhund durchsuchen. Der speziell ausgebildete Vierbeiner verharrt dann regungslos in einigen Metern Entfernung vor dem Jungtier und zeigt damit an, wo es sich im Gras verbirgt.

 

Wird ein Rehkitz gefunden, darf es nur unter mit Grasbüscheln aus der Gefahrenzone getragen werden, damit ihm kein menschlicher Geruch anhaftet. Sonst würde die Rehmutter das Kitz aufgrund der fremden Witterung nicht wiedererkennen. Das Kitz müsste dann jämmerlich verhungern. Ellenberger bittet deshalb Naturfreunde, die scheinbar verwaiste Jungtiere finden, diese auf keinen Fall zu berühren. Sie sollten sofort den zuständigen Jäger oder Förster benachrichtigen.

 

Die neuere Rechtsprechung zum Tierschutz fordert nach Angaben des LJV-Präsidenten ausdrücklich, dass die Landwirte Schutzmaßnahmen für Jungwild ergreifen müssen, wenn erfahrungsgemäß auf bestimmten Flächen beim Mähen mit dem Tod von Jungtieren zu rechnen ist. Ansonsten sei mit empfindlichen Strafen zu rechnen.

Dr. Klaus Röther