Jäger stellen Tierschutzprojekt vor

Tag der offenen Tür in der Greifvogelauffangstation im Hessischen Malsfeld

Seit etwa drei Jahren betreibt das Ehepaar Regine und Lutz Rochelmeyer, beide Jäger und Falkner, in Eigeninitiative die einzige Auffangstation für kranke Greifvögel im Landkreis.

Am 19. Juli luden sie Besucher zum Tag der offenen Tür und präsentierten damit der Öffentlichkeit einen tatkräftigen Beitrag der Jägerschaft zu praktiziertem Tier- und Naturschutz.

Trotz hochsommerlicher Hitze fanden sich weit über 300 Besucher ein, um sich auf der Anlage ein Bild von der Arbeit mit Greifvögeln und von der aufwendigen Pflege bis zur Wiederauswilderung zu machen. Denn dies, so betonten Lutz Rochelmeyer (Foto der Ansprache) und der stellvertretende Vorsitzende der Oberen Naturschutzbehörde Gerd Hof, sei das erklärte Ziel der Station. Nur in Ausnahmefällen, etwa bei bleibender körperlicher Beeinträchtigung, würden die verletzt aufgefundenen Vögel dauerhaft in Gefangenschaft verbleiben.

In den vergangenen Jahren fanden in der Auffangstation wiederholt Greifvögel und Eulen, wie Turmfalken, Bussarde und Waldohreulen, Zuflucht, zumeist gerettet aus Gartenteichen oder nach Kollisionen mit Fensterscheiben oder Fahrzeugen. Höhepunkte waren ein Fischadler, der sich 2013 auf dem Vogelzug in der seenarmen Region erschöpft verirrt hatte, und ein Schwarzstorch, dem in veterinärmedizinischer Pionierarbeit ein fehlendes Bein durch eine Prothese ersetzt wurde.

Wiederholt wurden die Gäste über den richtigen Umgang mit hilflos aufgefundenen Vögeln sowie über bestehende Rechtsvorschriften zur Greifvogelhaltung aufgeklärt. Der lange Weg von Regine und Lutz Rochelmeyer von der Erlangung der Sachkunde mit dem Falknerschein – beide absolvierten extra für dieses Projekt die Falknerprüfung – über das Einholen behördlicher Genehmigungen bis zum Bau der vorschriftsmäßigen Volieren wurde zahlreichen Interessierten dargelegt.

Der jüngste Patient, Mäusebussard Fagor, konnte aus Schutzgründen nur  abgeschirmt vom Trubel aus der Entfernung bestaunt werden. Eer war erst im Mai als offenbar aus dem Horst gefallener Jungvogel in die Station gebracht worden und wird diese voraussichtlich im Herbst als gesunder, selbständiger Vogel verlassen können. 

Unterhaltung und zahlreiche Stände auf dem kleinen Anwesen lockerten die Veranstaltung auf. Neben Kunst (Olga Schigora, Malerin), Hundezubehör (Hunde-Navi Köhne) und Wildbratwürsten (Rolf Besser) informierte der örtliche Kreisjagdverein am „Lernort Natur“-Stand über die Artenvielfalt der Region, boten die Jagdhornbläser „Melsungen und Fulda-Ederspitze“ musikalische Höhepunkte und war die Erlebnisfalknerei Michael Schanze mit einem Waldpädagogen und Greifvögeln vertreten.

Mit einer Auswahl aus dem Buch- und Ausrüstungsprogramm rundete JANA Jagd und Natur die Angebotsvielfalt ab.

Besucherzulauf und die permanente Belegung der Station bestätigen: In mühevoller Arbeit wurde von Einzelnen etwas geschaffen, was vielen zu Gute kommt. In einer Region, in der es zuvor einen solchen Anlaufpunkt nicht gab, wurde auf Initiative ansässiger Jäger eine Lücke geschlossen.

(Text und Bilder) Martin Otto