Ab 1. April 2015 „bleifrei“ bei Hessen-Forst

P. Hinz: Für neue Jagdverordnung werden Liste der jagdbaren Tiere sowie Schon- & Jagdzeiten noch abgestimmt

Ab 1. April 2015 darf bei der Jagd in Hessen-Forst-Revieren nur noch bleifreie Munition verwendet werden. Das kündigte die hessische Umweltministerin Priska Hinz (Bündnis 90/Grüne) am 21. Oktober 2014 in Rüdesheim vor Jagdjournalisten an. Hinz wies darauf hin, dass CDU und Grüne dies in ihrer Koalitionsvereinbarung beschlossen haben. In diesem Papier heißt es wörtlich: „Wir unterstützen den wissenschaftsbasierten Prozess auf Bundesebene zur Verwendung bleifreier Munition. Gleichzeitig wollen wir den Einsatz bleifreier Munition im Staatswald anstreben, wo es ohne Einschränkung der Wirkung möglich ist.“

Ab nächstem Jagdjahr dürfen auch Jagdgäste im hessischen Staatswald nur noch bleifreie Geschosse einsetzen. Zudem muss sich der Jäger, der ein Jagdrevier von Hessen-Forst pachtet, ab dem 1. April 2015 zur Verwendung von bleifreier Munition verpflichten. Diese Regelung greift jedoch nicht für bestehende Jagdpachtverträge.

 

„Bleifreie Munition tötet tierschutzgerecht“

„Die Verwendung von bleifreier Munition verhindert die Belastung von Böden und Wildbret“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz in einer Pressemitteilung. Deren Überschrift lautet: „Ökologischer und Gesünder: bleifreie Munition im hessischen Staatswald“.

Neuentwickelte bleifreie Jagdgeschosse töteten das Wild tierschutzgerecht, betonte Diplom-Forstwirt Carl Gremse, der in Anwesenheit von Ministerin Hinz „Ergänzende Untersuchungen zur Tötungswirkung bleifreier Geschosse“ vorstellte, an denen er als Mitarbeiter der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde beteiligt war. Künftig sollten Tötungswirkung und maximale Schussdistanz (Einsatzentfernung) von Jagdgeschossen für jede Geschossart ermittelt werden. „Es gibt dann Parameter für die Tötungswirkung, die auch in das Jagdgesetz aufgenommen werden“, erläuterte Dr. Axel Heider, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Diese zielballistischen Vorgaben sollen die bisherigen Vorschriften zur Mindestauftreffenergie auf 100 Meter und zum Mindestkaliber ersetzen.

Die EU-Kommission hat jedoch inzwischen Kritik am grundsätzlichen Verbot von bleihaltiger Munition in Baden-Württemberg geäußert. Darauf wies der baden-württembergische Minister für den ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Alexander Bonde(Grüne), Anfang November in einer Pressemitteilung hin. Dieses Verbot ist im sogenannten „Jagd- und Wildtiermanagementgesetz“ enthalten, das die grün-rote Landtagsmehrheit kürzlich in Stuttgart verabschiedet hat

 

EU-Kommission schießt gegen bleifrei

Die Europäische Kommission kritisiere das Verbot „aus wettbewerbsrechtlichen Gründen“ und sei der Auffassung, dass Deutschland damit „gegen die europäische REACH-Verordnung verstoßen würde“, teilte Bonde mit. Die EU-Kommission fordere, „dass ein Dossier zur Gefahrenermittlung durch Blei erarbeitet und der ECHA (European Chemicals Agency) vorgelegt werden müsse“. Dies erscheint jedoch laut Bonde „aufgrund der sehr umfangreichen Ergebnisse der BfR-Studie entbehrlich“. Der Minister bezieht sich damit auf eine Studie des Bundesinstituts für Risikoforschung (BfR) zur Bleibelastung von Wildbret durch Bleimunition.

Die neue hessische Jagdverordnung (JVO), die von der früheren CDU/FDP-Landesregierung schon für 2013 angekündigt worden war, soll nach Angaben von Ministerin Hinz nun zum Beginn des nächsten Jagdjahres in Kraft treten. Der Entwurf werde noch in Bezug auf die Liste der jagdbaren Tiere und die Schon- und Jagdzeiten intern abgestimmt und solle demnächst „in die Verbändeanhörung gehen“. Grundsätzlich seien in der neuen Durchführungsverordnung im Hinblick auf den Naturschutz „praxistaugliche Regelungen notwendig“. Geplant sei auch, dass die Jagdzeit für Rotwild in Wald und Feld künftig einheitlich am 15. Januar enden soll.

Die grüne Politikerin verwies darauf, dass die Verbissschäden in Hessen laut der jüngsten Bundeswaldinventur über dem Bundesdurchschnitt lägen. (Unter dem Begriff „Verbiss“ sind offenbar Schäl- und Verbissschäden in einen Topf geworfen worden). Die Jagd könne dazu beitragen, diese Schäden zu reduzieren. In ihrer Koalitionsvereinbarung haben sich Grüne und CDU darauf verständigt, dass „die Wildbestände in einem fairen Interessenausgleich von Wald und Wild an die Tragfähigkeit des Ökosystems angepasst werden“ sollen.

 

„Wildbestände an Ökosystem anpassen“

Hinz kündigte außerdem an, dass das hessische Umweltministerium ein „Grundgerüst“ für Konzepte für die Wildfütterung in Notzeiten erstellen wird. Die ersten, von den Hegegemeinschaften erstellten Konzepte seien nämlich „mangelhaft“. Ziel der neuen Jagdverordnung ist nach Angaben der Politikerin ein „fairer Interessenausgleich“ von Wald, Landwirtschaft und Jagd sowie Tierschutz.

Unterdessen hat der NABU Hessen bereits am 10. Oktober – einen Tag vor der NABU-Landesdelegiertentagung – in einer Pressemitteilung seine Forderungen zum hessischen Jagdrecht vorgestellt. Darin fordert der NABU-Landesvorsitzende Gerhard Eppler, Rabenkrähe, Elster, Blässhuhn, Lachmöwe und Rebhuhn sowie Baum- und Steinmarder, Iltis, Hermelin und Mauswiesel aus der Liste der jagdbaren Arten zu streichen. „Gefährdete Arten“ wie der Feldhase seien darüber hinaus ganzjährig zu schonen. Auf der NABU-Tagung nahm dann Ministerin Hinz am 11.Oktober in Wetzlar einem Zeitungsbericht zufolge auch zum hessischen Jagdrecht Stellung und beantwortete Fragen der NABU-Delegierten zu diversen Themen.

Dr. Klaus Röther