„'Willkommen Wolf' reicht nicht“

DJV nimmt Stellung zu den aktuellen Wolfsbeobachtungen  

In Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sind Wölfe in jüngster Zeit nah an menschliche Siedlungen gekommen. Von der vielbeschworenen Scheu war nichts zu merken, was zu großer Verunsicherung der Bevölkerung geführt hat. Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat gegenüber der Zeitung „Welt am Sonntag“ aktuell Stellung genommen. DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Gert Dittrich betonte gegenüber der Zeitung: "Es reicht nicht aus, zu sagen 'Willkommen Wolf'. Und es reicht auch nicht, bei fehlender Scheu gleich von abnormem Verhalten zu reden. Die Bestände wachsen schnell und halbstarke Wölfe wandern ab. Diese agieren dabei unerfahren und neugierig, ähnlich wie junge Hunde.“

Der Wolf sei ein großes Raubtier. Und die Menschen hätten verlernt, mit diesem umzugehen. Viele Menschen nutzten die Natur heutzutage nur noch als schöne Kulisse für ihre Freizeitaktivitäten, so Dr. Dittrich. Der DJV-Wolfsexperte machte darauf aufmerksam, dass erst aus dem Verständnis für die Natur ein Respekt vor möglichen Gefahren resultiere. Wenn sich der Wolf in der dicht besiedelten Kulturlandschaft Deutschlands weiter ausbreitet, wird es laut DJV häufiger zu Begegnungen zwischen Mensch und Wolf kommen. Dr. Dittrich: „Mit der Rückkehr des Wolfes ist ganz besonders für Haus- und Nutztiere ein Risiko verbunden. Aber niemand kann ausschließen, dass es zu Übergriffen auf Menschen kommen kann. Da fordere ich die zuständigen Politiker auf, dass auch so ehrlich zu sagen.“

Ein professionelles, Länder übergreifendes Wolfsmanagement ist laut DJV die Grundlage für ein Frühwarnsystem bei auffälligen Wölfen. Vor diesem Hintergrund ruft der DJV Jäger auf, sich noch intensiver als bisher am Wolfsmonitoring zu beteiligen. „Zahlreiche Jäger sind bereits als Wolfsbeauftragte geschult. Sie helfen bei Fragen weiter und liefern zudem Hinweise auf Wolfsvorkommen", so Dittrich. „Der Wolf ist gekommen, um in Deutschland zu bleiben. Er muss die Scheu vor dem Menschen wieder lernen und wir müssen uns auf ihn einstellen“. Laut DJV müsse deshalb intensiver über mögliche Vergrämungsmaßnahmen nachgedacht werden.