Durchblick und Weitsicht

Fragen und Antworten zur Optik

Neben der Frage nach dem richtigen Kaliber und der passenden Jagdwaffe wird beim jagdlichen Stammtisch und am Lagerfeuer an der Jagdhütte vor allem über das Thema Optik diskutiert und gestritten. Dabei macht es durchaus Sinn, sich bei der Auswahl von Ziel- und Beobachtungsoptik von unterschiedlichen Überlegungen leiten zu lassen. Im Folgenden haben wir versucht, einige hilfreiche Gedanken zur Wahl der richtigen Optik zusammenzutragen.

 

Anforderung Beobachtungsoptik

Unter Beobachtungsoptik werden im jagdlichen Bereich Ferngläser und Spektive verstanden. Gerade Ferngläser spielen beim Beobachten und Ansprechen des Wildes eine besondere Rolle. Aus dieser Hauptanforderung lassen sich gleich ein paar Überlegungen und Wünsche ableiten, die beim Test eines neuen Produktes hilfreich sein können. Beim jagdlichen Einsatz gehen wir davon aus, dass wir sehr lange und konzentriert durch unser Fernglas schauen wollen. Nichts ist ärgerlicher, als wenn nach langem Suchen das ersehnte Wild vor das Glas kommt und die Augen mittlerweile vom langen Schauen müde sind und brennen oder gar tränen. Eine weitere Herausforderung bei der Jagd stellen die zum Teil starken Temperaturschwankungen dar, denen ein Jagdglas ausgesetzt wird. So darf es auch dann nicht von innen beschlagen, wenn es von der 20 °C warmen Jagdhütte zum Winteransitz bei  –5 °C mitgenommen und anschließend – quasi tiefgefroren – wieder in der beheizten Wohnung verwahrt wird. Im Sommer bleibt es auch mal im Auto liegen und heizt auf über 40 °C auf – trotzdem müssen Schmierung der Bedienteile und Funktion erhalten bleiben!

 

All diesen Anforderungen versuchen die Hersteller erstklassiger Gläser mit der Verwendung hochwertiger Glassorten, einer ausgeklügelten Beschichtung der Linsen und durch Befüllung der Gehäuse mit Edelgasen zu begegnen. Neben der absoluten Präzision bei der Berechnung von Linsenabständen und der Montage der Glaseinheiten sind dies die Parameter, die dafür ausschlaggebend sind, dass ein Fernglas lange Freude macht und somit auch bei zunächst hoch erscheinenden Anschaffungskosten preiswert, weil wertbeständig ist.

 

Tipps zu Vergleich und Auswahl

Die Feinheiten machen den Unterschied! Beim ersten Durchblick bei guten Lichtverhältnissen mag auch ein No-Name-Glas einen guten Eindruck machen. Allerdings gibt es ein paar einfache Methoden, um auch ohne großartige technische Kenntnisse herauszufinden, ob ein Fernglas etwas taugt. Zunächst sollten Sie sich Zeit nehmen und sich beim Fachhändler eine Auswahl der infrage kommenden Glastypen zusammenstellen lassen, um sie nach den folgenden Empfehlungen zu testen:

 

Das Gehäuse: Den ersten Eindruck liefert das Gehäuse. Es muss sich wertig anfühlen und griffig in der Hand liegen. Bewegen Sie alles, was sich bewegen lässt, einfach mal durch. Ein Fernglas ist ein Präzisionsinstrument, da darf nichts knirschen oder kratzen und der Bewegungswiderstand darf sich ebenfalls nicht verändern.

Beobachten: Suchen Sie sich einen Bereich in mittlerer Entfernung, der möglichst unruhig ist, z.B. eine Hecke oder einen Baum mit vielen Ästen. Dieses Motiv beobachten Sie mehrere Minuten lang konzentriert, ohne das Glas abzusetzen, und versuchen einzelne Details genau anzuschauen. Wählen Sie unterschiedliche Entfernungen, dadurch können Sie merken, ob das Glas gut in der Hand liegt und alle Drehregler gut erreichbar und bedienerfreundlich sind. Außerdem wird schnell klar, ob das Glas gut ausgewogen ist oder ob es unangenehm nach vorn oder hinten kippt. Es werden sich nach diesen wenigen Minuten noch keine Ermüdungserscheinungen der Augen bemerkbar machen, aber Sie werden bald feststellen, welches Glas für Sie angenehmer ist und welches nicht. Während Sie noch Schauen, schwenken Sie das Glas doch mal, so als würden Sie einen langen Waldrand im Revier absuchen. Wenn Sie dabei das Gefühl haben, an den Rändern des Sichtfeldes durch ein Goldfischglas zu blicken, können Sie davon ausgehen, dass es sich um Billigware handelt, deren Linsen nicht sauber genug berechnet sind. Ein wenig Sonnenlicht ist beim Test von Vorteil, aber es geht auch ohne. Versuchen Sie mit dem Glas einmal ins Gegenlicht oder schräg dazu zu schauen, d.h. versuchen Sie Reflektionen im Glas zu provozieren. Spätestens dabei trennt sich die Spreu vom Weizen, denn bei dieser Übung zeigt sich die Qualität der Vergütung der Linsen.

Sie können also mit diesen kleinen Dingen schon im Fachgeschäft einen ersten Vergleichseindruck bekommen. Richtig zum Tragen kommen die Vorzüge der High-End-Produkte aber erst im Praxiseinsatz unter Grenzbedingungen wie Dämmerung, diesiger Sicht und starker Reflexbildung im Sonnenlicht, an Wasserflächen oder im Gebirge. Grundsätzlich lohnt es sich, bei der Optik nicht zu sparen, denn wie eingangs erwähnt: Das Glas ist auf der Jagd fast ständig und über länger Zeit im Einsatz.

Wer tiefer in die Feinheiten der Fernglas- und Spektivherstellung einsteigen möchte, für den gibt es eine verständliche Broschüre der Firma MINOX, die wir hier zum Download bereitgestellt haben.

Aber nicht nur für das Ansprechen ist eine gute Optik wichtig, auch beim Schuss mit dem Zielfernrohr sollte die optimale Sehleistung erreicht werden. Ein Zielfernrohr erleichtert dem Schützen neben der Vergrößerung das Schießen auch dadurch, dass nur zwei Punkte in Übereinstimmung gebracht werden müssen und nicht mehr drei wie beim Zielen über Kimme und Korn.

Bei der Auswahl eines Zielfernrohrs spielt nicht zuletzt die Montage auf der Waffe eine Rolle, wichtig ist aber vor allem der gewünschte Einsatz. Lieber eine große Vergrößerung für den Schuss auf weite Distanzen oder ein großes Sehfeld für die nächste Drückjagd? Variables Zielfernrohr oder feste Vergrößerung? Letztere hat zwar den Vorteil, dass sie preisgünstiger zu erwerben und in sich leichter ist, allerdings bietet sie keine Anpassung auf unterschiedliche Jagdsituationen.

Bei der Entscheidung für ein variables Zielfernrohr, entsteht gleich die nächste Frage: In welcher Bildebene soll das Absehen liegen? Liegt es in der ersten Bildebene, so werden die Balken des Absehens zusammen mit dem Bild vergrößert, sie werden also bei steigender Vergrößerung immer dicker. Dem steht der Vorteil entgegen, dass ein erstes Entfernungsschätzen möglich ist, da sich die Relation zwischen Absehen und Ziel nicht verändert. Beim Absehen in der zweiten Bildebene dagegen bleibt das Fadenkreuz immer gleich groß. So ist zwar kein Entfernungsschätzen mehr möglich, aber die Feinheit des Absehens wird erhalten, bzw. nimmt bei höheren Entfernungen sogar zu, was insbesondere beim Scheibenschießen empfehlenswert ist.

Was für ein Absehen Sie wählen, hängt von Ihrer Präferenz ab. Einige bevorzugen sicher das Absehen 1, andere wiederum Absehen 4, wieder andere wählen Kombinationen daraus. Wenn Sie häufig bei Vollmond auf Sauen ansitzen, kennen Sie sicher das Problem, dass das Absehen auf dem dunklen Wildkörper nicht zu sehen und ein Leuchtpunkt daher von Vorteil ist. Sinnvollerweise sollte dieser in der Helligkeit variabel sein, denn je dunkler es ist, umso mehr wird ein heller Leuchtpunkt blenden. Aber auch bei gutem Licht erleichtert ein zentrierter Leuchtpunkt das präzise Abkommen.

Das Zielfernrohr muss also entsprechend Einsatz und Schütze gewählt werden. Passt die Entfernung auf der Waffe und der damit verbundene Abstand zum Zielfernrohr, so stimmt im Anschlag wie beim Fernglas Ihre Austrittspupille mit der Augenpupille überein. Qualitativ hochwertige Zielfernrohre zeigen eine gute Helligkeit und Farbtreue, Kontrast und Auflösung stimmen und das Bild hat eine gute Randschärfe. Auch ist das Glas dicht gegen eindringende Feuchtigkeit, hat eine robuste Oberfläche, die entsprechende Schussfestigkeit und Vergütung. Bei den letzten Punkten kann Ihnen der entsprechende Händler sicher Auskunft geben! Fragen Sie nach!