Hasenjagd soll eingeschränkt werden – Längere Schonzeit für Füchse

Nur Andeutungen zur neuen Jagdverordnung: Umweltstaatssekretärin Tappeser lässt beim Landesjägertag Katze nicht aus dem Sack

Mit Spannung erwarteten die Teilnehmer des Landesjägertags 2015 in Limburg die Ausführungen von Umweltstaatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser (Grüne) zur geplanten hessischen Jagdverordnung (JVO). Doch hielt die Staatssekretärin in der repräsentativen Hauptversammlung mit Aussagen zu den eigentlichen „Knackpunkten“ der neuen Verordnung hinter dem Busch. Immerhin kündigte sie an, dass die Jagdzeit für Rotwild in Wald und Feld wieder synchron bis 31. Januar laufen soll.

 

Rehböcke sollen künftig ebenfalls bis Ende Januar erlegt werden können. Auch die Preußische Jagdverordnung habe noch bis zum 31. Januar 1933 die Bejagung der Rehböcke bis zum 31. 12. erlaubt, merkte Tappeser an. Dies stimmt freilich nicht mit den historischen Tatsachen überein. Denn am 1. Februar 1933 ist in Preußen beileibe keine neue Jagdverordnung in Kraft getreten.

 

„Sinnhaftigkeit“ von Jagd wird „hinterfragt“

Für Altfüchse sei eine Schonzeit geplant, berichtete die Staatssekretärin, ohne Details zu nennen. Die Schonzeit soll sich nach Angaben aus dem Landtag von Mitte Januar bis Mitte August erstrecken. Die Rotröcke könnten dann auch während der Ranzzeit nicht mehr bejagt werden. Jungfüchse sollen hingegen keine Schonzeit bekommen.

 

Die Staatssekretärin stellte zwar fest, dass die Bejagung von Rot-, Reh- und Schwarzwild notwendig sei. Dies gelte aus Gründen des Artenschutzes auch für die Fuchsjagd. Andererseits gebe es aber – so Tappeser wörtlich – „Gruppen, die die Sinnhaftigkeit der Bejagung von bestimmten Wildarten hinterfragen“. Deshalb werde gemäß schwarz-grüner Koalitionsvereinbarung die Liste der jagdbaren Arten eben auf diese „Sinnhaftigkeit“ hin überprüft. Diese Aussage deutet darauf hin, dass Tierarten, die bisher grundsätzlich dem Jagdrecht und damit der Hegepflicht unterliegen, von der Liste der jagdbaren Arten gestrichen werden sollen.

 

Selbstbeschränkung wird übel gelohnt

Das Prinzip der Rebhuhnbejagung, die nur noch in Gebieten mit ausreichendem Besatz erfolgen darf, soll laut Tappeser auch auf den Feldhasen übertragen werden. Allerdings haben die hessischen Jägerinnen und Jäger bisher schon bei der Hasenjagd freiwillig Verzicht geübt, auch dort, wo die Besatzhöhe noch die Bejagung erlaubt hätte. Nur in jenen Regionen, in denen ein stabiler hoher Feldhasenbesatz zu verzeichnen ist, wurden die Mümmelmänner überhaupt bejagt. Diese vorbildliche freiwillige Selbstbeschränkung soll den Grünröcken nun übel gelohnt werden.

 

Tappeser verwies darauf, dass sich der Jagdverordnungsentwurf noch in „interner Abstimmung von Ministerien und Fachpolitik“ befinde. Übrigens befassen sich insbesondere die Mitglieder des Landtags-Umweltausschusses, den die Landtagsabgeordnete Ursula Hammann (Grüne) leitet, als „Fachleute“ mit den Inhalten des JVO-Entwurfs. Verabschiedet wird die neue JVO allerdings vom Umweltministerium, nicht vom Landtag.

 

Jäger sind Naturschützer, keine Schädlingsbekämpfer

„Wir Jäger haben schon eine nachhaltige Jagd betrieben, bevor das Wort ,Nachhaltigkeit‘ überhaupt modern wurde“, unterstrich LJV-Präsident Dr. Jürgen Ellenberger in seinen jagdpolitischen Ausführungen. „Jäger sind die Nummer Eins im Natur- und Artenschutz, aber keine Schädlingsbekämpfer“. Nicht die Jäger müssten sich für die Jagd rechtfertigen. Rechtfertigen müssten sich vielmehr jene, „die die Jagd einschränken wollen“.

„Natur- und Tierschutzverbände nehmen bundesweit Einfluss auf die Jagdgesetze. Das hat zu beispiellosen Protesten der Jäger geführt“, sagte Ellenberger im Hinblick auf jagdliche Großkundgebungen, Podiumsdiskussionen, Protestschreiben und Unterschriftensammlungen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. „Dass die Mitte der Gesellschaft auf die Straße geht, ist einzigartig in Deutschland“, resümierte der LJV-Präsident. Dies habe auch den Jägern – wie in Baden-Württemberg – Erfolge gebracht.

 

Nach den Jägern gegen Bauern und Fischer

„Der Nabu Hessen hat schon im Oktober 2014“, so Ellenberger, „starke jagdrechtliche Einschränkungen gefordert“. Seither habe der LJV-Vorstand „permanent mit Umweltministerin Priska Hinz und Vertretern der Landtagsfraktionen Gespräche geführt“. Außerdem stehe der LJV mit befreundeten Verbänden in Kontakt. Ellenberger: „Diese Politik ist wie ein Dominospiel: Erst geht es gegen die Jäger, dann gegen Bauern, Fischer und Waldbesitzer.“ 

 

Nach dem Motto „Wehret den Anfängen“ habe der LJV eine Musterbrief- und Unterschriftenaktion  gestartet. 10.500 Unterschriften seien schon im Zuge der Kampagne „„Hände weg vom Jagdrecht in Hessen –  Keine Aushöhlung durch die neue Jagdverordnung“ gesammelt worden, bilanzierte der  LJV-Präsident. „Eigentlich müssten mehr statt weniger Tierarten ins Jagdrecht“, forderte Ellenberger. Denn laut schwarz-grüner Koalitionsvereinbarung soll der Jagdschutz ausdrücklich auf bestandsbedrohte Tierarten ausgeweitet werden. 

 

Jagdverordnungen der Nachbarländer besser

Mit Blick auf Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg konstatierte der Jägerpräsident: „Die dortigen Jagdverordnungen sind deutlich besser als der hessische JVO-Entwurf.“ „Die in Hessen geplante Einschränkung der Feldhasenjagd ist wissenschaftlich nicht begründbar“, nannte Ellenberger ein Beispiel. So fänden in Hessen auf Initiative des Umweltministeriums schon seit über 20 Jahren unter Beteiligung von LJV und Wildbiologie Hasenzählungen der Jäger statt. „Nach deren Ergebnis richtet sich die Bejagung“, resümierte der LJV-Präsident. Das DJV-Monitoring-Projekt „WILD“ habe zudem gezeigt, „dass die Feldhasenbestände bundesweit stabil sind“.

 

Protest geht weiter

Ellenberger rief die hessischen Jägerinnen und Jäger auf, in ihrem Protest gegen eine Aushöhlung des Jagdrechts durch die neue Jagdverordnung nicht nachzulassen. Denn diese Protestkampagne geht unvermindert weiter: Unter www.ljv-hessen.org werden weiterhin Unterschriften gesammelt.

Dr. Klaus Röther