Parteien und Verbände zur neuen Jagdverordnung

Stellungnahmen beim Landesjägertag 2015 in Limburg

„Die CDU steht zu Jagd und Grundeigentum“, sagte der jagdpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Dr. Walter Arnold. In die neue Jagdverordnung fließen laut Arnold „sachliche Argumente“ ein. Zu den Jagdzeiten seien „Wissenschaftler gehört worden“, und zwar speziell für die CDU der Wildbiologe Dr. Michael Petrak. Allerdings sei ein Vergleich der (künftigen) hessischen Jagdzeiten mit denen anderer Bundesländer nicht immer möglich; so habe beispielsweise Schleswig-Holstein viel weniger Wald als Hessen. Auch mit der neuen JVO werde die Bejagung von Schalen-, Nieder- und Federwild sowie die Fangjagd „effektiv möglich sein“, relativierte Arnold geplante Einschränkungen.

 

Anhörung zu wildernden Hunden und Katzen

Die „Frage der Tötung wildernder Hunde und Katzen wird mit Frau Hammann diskutiert“, berichtete Arnold. Im Herbst sei die Anhörung wissenschaftlicher Experten geplant, danach müsse eventuell das Hessische Jagdgesetz in diesem Punkt geändert werden.

Nach Ansicht der Landtagsabgeordneten und Umweltausschussvorsitzenden Ursula Hammann (Grüne) gibt es „gesellschaftliche Entwicklungen, die auch auf die Jagd Auswirkungen haben“. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Jagd könne deshalb nur mit Veränderungen einhergehen. Aus ihrer Sicht gebe es drei zentrale Bereiche, die von wesentlicher Bedeutung seien: die Bestandsbedrohung von Tierarten, die Sinnhaftigkeit der Bejagung von bestimmten Tierarten sowie die wissenschaftliche Untersuchung zu wildernden Hunden und Katzen.

 

Grüne: Für Protest wenig Verständnis

Zum „Niedergang der Hasenbesätze im Hessischen Ried“ zitierte Hammann eine ungenannte Jägerin, die ihr gegenüber angeblich verlauten ließ: „Leider haben wir auch für uns erkennbar zu viele Hasen geschossen.“ Sowohl Ursula Hammann als auch Beatrix Tappeser zeigten im Übrigen wenig Verständnis für die Proteste der hessischen Jägerinnen und Jäger gegen eine Aushöhlung des Landesjagdgesetzes durch die neue JVO. Die Grünen hätten „viele Mails erhalten, die nicht besonders positiv waren“. Hammann: „Der Protest darf nicht unter die Gürtellinie gehen.“

 

SPD: Jäger in der Gesellschaft akzeptiert

„Ich glaube, die Jägerinnen und Jäger sind schon in der Gesellschaft akzeptiert“, wies der umwelt- und jagdpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Heinz Lotz, Hammanns Ausführungen zurück. Die Änderung der Jagdverordnung schaffe erhebliche Unruhe in der Jägerschaft. Lotz: „Die Wellen schlagen hoch, noch bevor konkret wurde, was das Ministerium plant.“ Sein Resümee: „Transparente Jagdpolitik sieht anders aus!“ Der SPD-Abgeordnete kündigte an, dass seine Fraktion die „Hunderte von Protest-E-Mails“ noch beantworten werde. Seine Partei habe jedoch den aktuellen JVO-Entwurf auch erst kürzlich auf inoffiziellem Wege erhalten.

 

FDP: Naturschutz und Eigentum gleichgewichtig

„Die sogenannten Kompromisse werden zu Einschränkungen und Verschärfungen für die Jäger führen“, kritisierte der jagdpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion,  Jürgen Lenders. Eigentums- und Naturschutzrecht müssten gleich gewichtet werden. Er könne keinerlei Notwendigkeit sehen, das Jagdrecht zu ändern. Die Landesregierung wolle zudem bei der neuen  JVO „Parlament und Regierung außen vor lassen“. Die FDP wird aber laut Lenders „Mittel und Wege finden, die Jagdverordnung im Landtag zu diskutieren“.

„Die Jäger haben schon bisher bei der Bejagung von Rebhuhn und Feldhase eigenverantwortlich vorbildlich gehandelt. Das muss nicht in einer Verordnung niedergeschrieben werden“, unterstrich der FDP-Politiker. Lenders berichtete, dass die FDP-Landtagsfraktion und deren Mitarbeiter die LJV-Unterschriftenliste gegen eine praxisferne Jagdverordnung geschlossen unterschrieben hätten.

 

Schulterschluss von Bauern und Jägern

„Der Schulterschluss von Bauern und Jägern ist deutlich erkennbar. Wir lassen uns nicht auseinander dividieren“, hob der Vizepräsident des Hessischen Bauernverbandes (HBV), Armin Müller, hervor. Beide Gruppen seien Landnutzer und dem Tier- und Artenschutz traditionell verbunden. Der HBV-Vizepräsident  erteilte allen Plänen, die Jagd aus angeblichen Gründen des Natur- und Artenschutzes einzuschränken oder zu verbieten und die Liste der jagdbaren Arten zu kürzen, eine entschiedene Absage. Armin Müller fungiert auch als Vorsitzender des hessischen Verbands der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer und Vorsitzender der Naturlandstiftung Hessen. Bauernverband und Jagdgenossenschaftsverband unterstützen den Protest und die Unterschriftensammlung des LJV gegen eine Aushöhlung des Jagdrechts nachhaltig.

 

Fischer: Naturschutz ist ideologisch unterwandert

Dies gilt auch für den Verband hessischer Fischer (VHF), mit dem der LJV Hessen schon seit Jahren ein Kooperationsabkommen geschlossen hat. „Wir sind der größte Naturschutzverband in Hessen“, verdeutlichte der neue VHF-Präsident Klaus Däschler und betonte: „Jäger und Angler gehen nicht nur in den Wald oder an die Gewässer, um zu jagen oder Fische zu töten.“  Sie praktizierten vielmehr flächendeckend Naturschutz. Die Spitze anderer Naturschutzverbände ist laut Däschler „von urbanen Ideologen unterwandert“, die „Wochenend-Naturschutz“ betreiben. Erfahrung mit der Natur habe diese Spezies „meist nur aus zweiter Hand wie dem Fernsehen“. Däschler: „Tatsache ist, dass es den Tierarten im Jagdrecht insgesamt besser geht als denen, die im Naturschutzrecht sind. Wo nimmt sich so mancher Chefideologe von Naturschutzverbänden das Recht her, uns Jägern und Anglern Vorschriften zu machen?“

 

Grußworte sprachen auch der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Hessischer Jägrhof, Andreas Freiherr von Gall, und der stellvertretende Vorsitzende der Landesvertretung der Beamten und Angestellten in Forst und Naturschutz der IG BAU, Otto Naumann.