Hundeschutzwesten

Sinnvolle Investition oder teuer und überflüssig?

Foto: Mikut
Foto: Mikut

Die ersten Erntejagden haben begonnen und auch die Drückjagdsaison rückt immer näher. Eine kranke Sau ist für Mensch und Hund eine ernst zu nehmende Gefahr. Immer mehr Hundebesitzer denken daher über eine Schlagschutzweste für ihren Jagdhelfer nach, um das Verletzungsrisiko im Einsatz zu minimieren.

Doch welche Weste ist für meinen Hund die richtige? Sind nur maßgeschneiderte Westen sinnvoll oder kann ich auch guten Gewissens ohne größeren Aufwand und mit kürzeren Lieferzeiten eine von der Stange kaufen?


Notwendigkeit der Weste

Schwarzwild ist fast allgegenwärtig. In Hessen belief sich die Gesamtstrecke im Jagdjahr 2014/15 auf über 54.000 gefallene Stücke.

Jeder, der in seinem Jägerleben ein beschossenes oder in die Enge getriebenes Stück Schwarzwild erlebt hat, weiß, wie wehrhaft und aggressiv die intelligenten Schwarzkittel auf Mensch und Tier reagieren können. Die Verletzungen für die arbeitenden Hunde sind meist schwer und leider oft tödlich. 

Schlagschutzwesten sollen das Verletzungsrisiko eindämmen: Sie sind aus stoß- und stichfestem Material gefertigt und decken vor allem lebenswichtige Körperregionen wie Hals und Rumpf ab. Die meisten Modelle sind zum Beispiel um Ellenbogenschutz, zusätzlichen Schulterschutz oder Taschen für Ortungsgeräte erweiterbar. Für die bessere Sichtbarkeit gibt es bei vielen Herstellern auch reflektierende Signalstreifen zur Erweiterung oder bereits integriert.


Doch worauf muss ich achten?

Eine Hundeschutzweste sollte jedem Hund individuell – wie ein Maßanzug – angepasst werden. Sie darf weder zu eng noch zu locker sitzen, ansonsten wird der Vierläufer in seiner natürlichen Bewegung eingeschränkt oder läuft sich wund. Eine nicht passende Weste kann in unwegsamem Gelände an spitzen Ästen hängen bleiben oder dem Hund bei einer schlagenden Sau die Gelenkigkeit zum Ausweichen nehmen. Darüber hinaus muss die Weste im Fall der Fälle schnell und unkompliziert zu öffnen und abzunehmen sein.

Wärmeleitfähigkeit des Materials ist ebenfalls unerlässlich: Um einen Hitzestau zu verhindern, müssen die Innenschichten der Weste die entstehende Wärme nach außen ableiten.

Das Material sollte hochwertig, robust und langlebig sein. Keine scharfen Kanten und absolut sauber verarbeitete Nähte sind ein wichtiges Kriterium. Mängel in der Verarbeitung können zu Druck- oder Scheuerstellen (Nährboden für Bakterien) und schlimmstenfalls zu Entzündungen führen.

Manche robusten und stichfesten Stoffe, wie beispielsweise Kevlar, sind nicht UV-beständig und daher für Hundeschutzwesten ungeeignet. Vermeintlich günstige Westen werden daher oft nach einiger Zeit brüchig und damit unbrauchbar.

Tipps beim Einsatz im Mais:

Hundeschutzwesten im Mais sind sinnvoll und notwendig. Die eng gesäten Maisreihen bieten den Hunden kaum Platz zum Ausweichen, das Verletzungsrisiko ist hier noch größer, als im Wald. Dennoch muss auf wichtige Dinge geachtet werden: Maisjagden finden meist an sehr warmen Tagen statt, es sind oft die ersten Einsätze der Hunde in der Saison. Ein Hund in einer engen Weste kann schnell überhitzen, ein Wärmestau unter der Weste zum Kreislaufzusammenbruch führen und tödlich sein, deshalb:

- ausreichend Wasser mitnehmen

- vor Beginn der Saison den Hund trainieren, z.B. durch Fahrrad fahren

- beim Westenkauf auf Wärmeleitfähigkeit achten

- Erste-Hilfe-Set für den Hund mitnehmen

- Augenpartie mit Vaseline eincremen (zum Schutz vor Schnitten)

- Tierarzt über Bereitschaft informieren

Foto: Hunde-avii
Foto: Hunde-avii

Eine kleine Marktübersicht

Inzwischen haben sich viele verschiedene Hersteller von Hundeschutzwesten auf dem Markt etabliert. Die Westen von Hunde-Navi werden auf Maß gefertigt und sind immer größenverstellbar. Das Original ist mit einem ein- oder zweilagigen Stichschutz erhältlich, beim zweiten Modell, der Weste „Extreme“, werden sogar bis zu vier Lagen verarbeitet. Die Farben orange, gelb und pink stehen zur Wahl, Kombinationen sind möglich. Beide Modelle lassen sich jeweils über einen Reißverschluss mit Gummizug und darüber liegendem Klettverschluss öffnen beziehungsweise schließen. Zum Schutz der Halsschlagader ist das Halsteil fest mit dem Rumpfteil der Weste verbunden. Eine verdeckte Tasche für GPS-Ortungsgeräte gehört zum Standard. Optional sind Ellenbogenschutz, Keulenschutz, Halsschutz, Halteschlaufen, Rückentaschen für Ortungsgeräte, Kameras und Glocken sowie eine Halterung für eine Schweißleine erhältlich. Reparaturen und nachträgliche Änderungen sind jederzeit möglich.


Bei der Bestellung einer Hunde-Navi-Weste muss ein Fragebogen mit den zur Fertigung benötigten Maßangaben und Zusatzinformationen ausgefüllt werden. Die Lieferung der maßgeschneiderten Weste erfolgt im Regelfall innerhalb von 3 Wochen. Laut Herstellerangabe bietet eine einlagige Weste einen Stichschutz von mind. 800 Newton. (www.hunde-navi.eu)

Foto: Mikut
Foto: Mikut

 Die ebenfalls maßgeschneiderten Schutzwesten des Herstellers Friedhelm Mikut  (Mikut-Westen) bestehen aus zwei verschiedenen Materialien. Für die Innenlage wird ein Stoff aus 55 % Polyethylen, 30 % Polyamid, 12 % Polyester und 3 % Lycra verwendet, der unter anderem für Schutzbekleidung im Fechtsport eingesetzt wird. Das Material verfügt über eine Durchstoßfestigkeit von mind. 800–1000 Newton. Die Außenlage wird aus farbigem Cordura-Stoff gefertigt, dieser besteht aus Polyamid mit wasserabweisender Imprägnierung. Beide Lagen saugen kein Wasser auf und sind somit sogar für den Einsatz in Wasser und Schilf geeignet.

Die Farbe der Weste ist im Hauptton leuchtend blau mit orangenen und gelben Anteilen. Die blaue Farbe wurde ausgewählt, da blau in der Natur kaum vorkommt und sich auch zwischen Herbstlaub gut abhebt. Verschlossen wird die Weste mit einer Klett-/Reißverschluss-Kombination im Rückenbereich. Reflektierende Leuchtstreifen, Nackenteil, Gummi-Einlagen zur verstärkten Bewegungsfreiheit sowie eine Halskrause gehören zum Standard. Eingearbeitete Stäbchen im Nackenteil und der Halskrause sollen das Zusammenziehen des Materials verhindern. Ellenbogenschutz, Schulterschutz, Glöckchen oder Taschen für Ortungsgeräte sind optional erhältlich. Mikut-Westen sind bereits seit 15 Jahren auf dem Markt etabliert.  

Bei guten Schutzwesten ist eine genaue Passform sehr wichtig, jedoch ist auch ein Jagdhund nicht immer in der gleichen, körperlichen Verfassung. So kommen in der jagdarmen Sommerzeit schnell mal ein paar Pfunde mehr auf die Waage. Damit der Hund zu Beginn der Saison nicht in eine zu enge Weste gepresst werden muss, die ihm Luft und Bewegungsfreiheit nimmt, bieten manche Westen die Möglichkeit, sie in der Weite etwas zu verstellen. Es gibt beispielsweise zusätzliche Reißverschlüsse, welche die Westen im Brustumfang erweitern.

 

Fazit:

Jeder, der mit seinem Hund auf Schwarzwild jagt, sollte über die Investition einer Schutzweste nachdenken. Ist eine leuchtende Signalweste eine Alternative? Nein, diese Westen dienen lediglich der besseren Sichtbarkeit bei Niederwildjagden oder bei Spaziergängen im Dunkeln, sie bieten aber weder Stich- noch Schlagschutz.

Viele Schützen schnallen ihre Vierläufer vom Stand, kennen ihr Verhalten am Wild nicht und schätzen es leider oft falsch ein: Ein Hund, der sonst alleine vor einer Sau zurückschreckt, vergisst plötzlich all seine Furcht, wenn er zusammen mit einer scharfen Meute hetzt und stellt. In der letzten Saison war der junge Jagdhelfer vielleicht noch unsicher und zurückhaltend, nach einem Jahr und einigen Erfolgen an Frischlingen tritt er charaktergestärkt und mutig dem 100 Kilo schweren, kranken Bassen entgegen …

 

Der auf den ersten Blick hohe Preis für eine qualitativ hochwertige Schlagschutzweste steht in keinem Verhältnis zu teuren Tierarztrechnungen oder gar dem Verlust eines ausgebildeten Jagdhundes.

Marktneuheit:

Die innovative WolfProof-Schutzweste des Schweden Thure Sundqvist wurde extra für Hunde zum Schutz gegen Wolfsangriffe konzipiert. Sie besteht aus zwei Teilen – einem aktiven, der Rücken und Nacken bedeckt und einem Brustschutz, der den Brust- und Bauchbereich schützt. Dieser ist in verschiedenen Weiten erhältlich und wird mit vier Klettverschlüssen unter dem Bauch befestigt. Im aktiven Teil der Weste befindet sich ein Abwehrmechanismus. Durch den Biss eines angreifenden Wolfes in den Rückenbereich des Hundes wird über den eingebauten Auslöser ein Signal an die Elektronikeinheit der Weste gesendet. Diese gibt über die silberfarbenen Bänder einen kurzen, intensiven Elektroschock in den Fang des Wolfes ab. Die Elektrotechnikeinheit wird von einer wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Batterie betrieben. (www.jagdausruestung-online.de