Hasenpest ausgebrochen

Bei einer Ansteckung kann die Krankheit tödlich für den Menschen verlaufen

Foto: fotolia.com - Matauw
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Im Landkreis Gießen ist nun auch die für den Menschen gefährliche Hasenpest ausgebrochen. Vorher wurde sie bei zwei Feldhasen im Großraum Nidda nachgewiesen, so das Landratsamt in Friedberg am 10.11.2015. Mitte September waren im Landkreis Limburg-Weilburg drei infizierte

Hasen tot aufgefunden worden.

Vor allem Jäger und Waldarbeiter sollten vorsichtig sein und verdächtige Kadaver nur mit Schutzbrille, Handschuhen sowie Atemmaske anfassen.

In Hessen sind bereits fünf Fälle der Hasenpest bekannt geworden. Bei einer Ansteckung kann die Krankheit tödlich für den Menschen verlaufen.

Auch Mäuse, Ratten und Eichhörnchen könnten den Erreger in sich tragen, für Hunde ist eine Gefährlichkeit bisher nicht bekannt

Eröffnete Leibeshöhle eines Feldhasen mit deutlicher Milzschwellung
Eröffnete Leibeshöhle eines Feldhasen mit deutlicher Milzschwellung
Der Erreger:

Die Tularämie ist eine gelegentlich auftretende Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Francisella tularensis verursacht wird (s. Abb. 3). Die Erkrankung betrifft vorwiegend Hasenartige (insbesondere Feldhasen (Abb. 1), Wildkaninchen) und Nagetiere (Feldmäuse, Hamster), aber auch eine Vielzahl anderer Wild- und Haustiere (z.B. Reh, Fuchs, Igel, Schaf, Hund, Katze, Vogel). Eine Übertragung auf den Menschen ist möglich (Zoonose).

Wasser- und Bisamratte und große Wühlmaus werden zwar infiziert, erkranken jedoch nicht und sind somit wichtige Überträger. Möwen und Raubvögel können den Erreger

über weitere Strecken verschleppen. In Deutschland tritt der Erreger der Tularämie vorwiegend in sonnenexponierten Gebieten mit Flusslandschaften ohne flächenhaften Waldbestand bis 500 m ü. NN auf (bspw. Rhein, Main, Tauber).

 

Die Symptome:

Infizierte Hasen sterben häufig an akuter Blutvergiftung (Sepsis) nach unspezifischen Symptomen wie Verlust des Fluchtverhaltens, schwankendem Gang, gesträubtem Fell und schneller Atmung. Nur in Ausnahmefällen sind chronische Fälle zu beobachten. Nach der Eröffnung des Tierkörpers sind verstreute, gelblich-graue knotige Veränderungen (Abszesse, Nekrosen) insbesondere in Leber, Milz und Lymphknoten (aber auch in Lunge und Niere) sowie eine deutliche Milzvergrößerung und Lymphknotenschwellungen hinweisend auf eine Tularämie. Aber: Es müssen nicht immer sichtbare Veränderungen am Tierkörper auftreten!

Beim Menschen treten etwa zwei bis 14 Tage nach Kontakt neben schlecht heilenden Hautwunden ebenfalls schwere Allgemeininfektionen auf, die v. a. durch grippeähnliche Symptome wie Fieber, schmerzhafte Lymphknotenschwellungen, Erbrechen, Atemnot und Durchfall gekennzeichnet sind.

Der Krankheitsverlauf ist abhängig von der krankmachenden Wirkung (Virulenz) des Bakterienstammes, der aufgenommenen Erregermenge sowie der Eintrittspforte in den Körper. Beim Auftreten von Symptomen nach Kontakt mit Hasen oder anderen empfänglichen Kleinsäugern sollte unverzüglich ein Arzt aufgesucht und über den Kontakt informiert werden.

In Hessen konnte seit 2000 bei acht im Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) untersuchten Hasen und Kaninchen Tularämie diagnostiziert werden (s. Abb. 5). Man unterscheidet mehrere Unterarten des Erregers, von denen die gefährlichste in Nordamerika auftritt. Die in Nordeuropa verbreitete Unterart stellt dennoch eine ernst zu nehmende, auf den Menschen übertragbare Infektionskrankheit dar, vor der man sich schützen sollte.


Die Infektion:

Als Übertragungswege für Haus- und Wildtiere sowie Menschen kommen Haut- und Schleimhautkontakt mit infektiösem Tiermaterial, Verzehr von nicht ausreichend erhitztem, kontaminiertem Fleisch (Hasen) oder

Wasser, Stiche durch infizierte blutsaugende Insekten oder Zecken sowie kontaminierte Stäube und Aerosole in Frage. Der Erreger bleibt auch tiefgekühlt über Monate infektionsfähig und ist gegenüber äußeren Umwelteinflüssen sehr widerstandsfähig.

Krankheit und Nachweis des Erregers der Tularämie sind nach Infektionsschutzgesetz und Tierseuchenrecht meldepflichtig.


Was ist mit krank oder tot gefundenen Hasen zu tun?

Auch ohne äußerlich sichtbare Veränderungen ist der infizierte Tierkörper in der Regel massenhaft mit Tularämie- Erregern kontaminiert! Der Jagdausübungsberechtigte

sollte das Tier nach dem Auffinden nicht aufbrechen und nur mit flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen anfassen. Spaziergängern wird empfohlen, krank oder tot gefundenes Wild nicht anzufassen, sondern es zu melden. Der Tierkörper sollte unverzüglich auslaufsicher in zwei Plastiksäcken verpackt und in Kenntnis und Auftrag des jeweils zuständigen Veterinäramtes unter Angabe der Kontaktperson und des Fundortes zur Untersuchung eingesandt werden an:

 

Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL)

Schubertstraße 60 / Haus 13 oder Druseltalstraße 67

35392 Gießen                               34131 Kassel

Tel.: 0641/4800-555 oder   Tel.: 0561/3101-0