SVLFG informiert Jäger in Nordhessen

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) istals Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (LBG) auch die gesetzliche Unfallversicherungfür Jagdpächter und Eigenjagdbesitzer

von links: Dirk Ender, Hartmut Fanck, Heinrich Jungheim, Martin Adelmann, Volker Dippel, Dr. Volker Wolfram, Dr. Rudolf Leinweber.
von links: Dirk Ender, Hartmut Fanck, Heinrich Jungheim, Martin Adelmann, Volker Dippel, Dr. Volker Wolfram, Dr. Rudolf Leinweber.

Die Jagd birgt viele Gefahren. Alljährlich kommt es hier zu zahlreichen Unfällen mit schwerwiegenden Folgen. Einige davon enden leider tödlich. Deshalb gibt es seit gut 70 Jahren eine umfassende soziale Absicherung, die im Sozialgesetzbuch verankert ist. Die Arbeitsgemeinschaft Nordhessischer Jagdvereine und die SVLFG haben in

einer gemeinsamen Informationsveranstaltung am 1. Oktober 2016 in der Stadthalle

Melsungen einen Einblick in den weiten Bereich der gesetzlichen Unfallversicherung für Jäger gegeben. Das Vorstandsmitglied der SVLFG, Dr. Volker Wolfram, begrüßte die zahlreichen Teilnehmer und hob die Bedeutung des Dialogs zwischen der LBG und der Jägerschaft hervor. Dr. Rudolf Leinweber, Vizepräsident des Landesjagdverbandes Hessen, unterstrich vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion die Wichtigkeit einer sachlichen Information und forderte die SVLFG auf, sich der Probleme der Jägerschaft beispielsweise zum Kreis der versicherten Personen anzunehmen und Problemlösungen aufzuzeigen.

Dirk Ender, Leiter des Leistungsbereiches der SVLFG, stellte in seinem Vortrag den Kreis der Personen dar, die im Rahmen der Jagdausübung und den damit zusammenhängenden Tätigkeiten versichert sind und grenzte die Fälle ab, bei denen kein Versicherungsschutz besteht. Hieraus wurde deutlich, dass der versicherte Personenkreis – insbesondere bei jagdlichen Tätigkeiten – von den jeweils individuellen Verhältnissen abhängt und nur in den wenigsten Fällen pauschal festgestellt werden kann. Anschließend

wurden die Leistungen der LBG anhand von realen Jagdunfällen dargestellt.

Hartmut Fanck, Leiter des Beitragsbereiches der SVLFG, berichtete über große Unterschiede beim Beitragsmaßstab und bei der Beitragshöhe für Jagden bis zur Errichtung der SVLFG. Auf Basis eines entsprechenden Votums des Deutschen Jagdverbandes werden nun seit über drei Jahren die Beiträge für Jagden bundesweit nach der bejagbaren Fläche berechnet. Da die Jagden eine eigene Risikogruppe bei der LBG bilden, werden mit den Beiträgen grundsätzlich nur die Leistungsaufwendungen finanziert,

die in Jagdunternehmen entstanden sind (zuletzt 13,6 Millionen Euro). Eine „Quersubventionierung“ anderer oder durch andere Risikogruppen gibt es nicht mehr.

Vor diesem Hintergrund kann die von einigen Jägern geforderte „private Versicherung“ nur eine „günstigere“ aber keine „bessere“ Lösung sein. Und dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass eine theoretische Herauslösung von „Hobbyjagden“ den Beitrag für „Arbeitgeberjagden“ unweigerlich in die Höhe treiben würde. Mit dem Deutschen und dem Bayerischen Jagdverband wurde erst im letzten Monat in einer Besprechung im Bundeslandwirtschaftsministerium vereinbart, die wesentlichen Eckpunkte

der gesetzlichen und der privaten Unfallversicherung zu vergleichen. Im Anschluss wollen die Jagdverbände über ihre politischen Forderungen entscheiden. Einer etwaigen Gesetzesinitiative, mit dem Ziel der Erweiterung des versicherten Personenkreises, stehe die SVLFG aufgeschlossen gegenüber.

Zudem widmete die Veranstaltung sich der Sicherheit im Jagdbetrieb und den Gesundheitsgefahren

in der Natur, denn gerade durch Vorsorge und Prävention kann viel Schmerz und Leid verhindert werden. Der Leiter des Landesbetriebes HessenForst, Michael Gerst, betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Prävention für die Forstwirtschaft und Jagd. In weiteren Vorträgen zeigten die Aufsichtspersonen der SVLFG, Volker Dippel und Heinrich Jungheim, die Unfallgefahren im Jagdbetrieb anhand der Unfallursachen auf. Trotz getroffener Vorsichtsmaßnahmen sind die Jagdausübung und der Bau jagdlicher Einrichtungen mit besonderen Unfall- und Gesundheitsgefahren verbunden. Unfallschwerpunkt waren Sturzunfälle beim Bau von Ansitzeinrichtungen. Daneben ereigneten sich aber auch immer wieder schwere Unfälle beim Umgang mit Schusswaffen. In den Referaten wurden alle bedeutsamen Bestimmungen zu Schutzmaßnahmen beziehungsweise Verhaltensweisen zur Vermeidung von Jagdunfällen angesprochen. Der Bogen spannte sich hierbei vom sorgfältigen Umgang mit Waffen und Munition bei der Ausübung der Jagd über das Verhalten bei Gesellschaftsjagden bis hin zur Nutzung von jagdlichen Einrichtungen. Als Gastredner referierte der Arbeits- und Umweltmediziner Martin Adelmann über Infektionskrankheiten, die von Tieren auf den Menschen übertragen werden können.

Dabei sind die Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) unverändert von Bedeutung. Der Referent ging auch auf weniger bekannte Erkrankungen wie die Hantavirus-Infektion ein, die in Einzelfällen zu Nierenversagen führen kann.