Neumann-Neudamm hinterfragt!

Ein Schock für jeden Revierinhaber. Mit einem hochwertigen Restlichtverstärker kann zwar sauber angesprochen werden, aber bei einer Rotte von rund 25 Schweinen kein Schuss angetragen werden, da der Wechsel auf Zielfernrohr nur Umrisse erkennbar macht.
Ein Schock für jeden Revierinhaber. Mit einem hochwertigen Restlichtverstärker kann zwar sauber angesprochen werden, aber bei einer Rotte von rund 25 Schweinen kein Schuss angetragen werden, da der Wechsel auf Zielfernrohr nur Umrisse erkennbar macht.

 Von Polen her naht die Afrikanische Schweinepest, die Winter sind immer milder, die Mastjahre nehmen zu – die Schwarzwildbestände steigen stetig und mit ihnen die Wildschäden. Die schlauen Borstenviecher haben längst gelernt, dass sie im Schutz der Dunkelheit eher einer Bleivergiftung entgehen. Nächtelang sitzen wir uns daher den Hintern platt, um der gesetzlich auferlegten Wildschadensvermeidungspflicht nachzukommen – und den eigenen Geldbeutel zu pflegen.

Erlaubt ist die Jagd auf Schalenwild bis 1,5 Stunden vor und 1,5 Stunden nach Sonnenauf- bzw. untergang. Schwarzwild jedoch darf die ganze Nacht lang beschossen werden (BJG § 19, 1.4). Da zieht es unzählige Schwarzwildjäger in hellen Mondnächten hinaus auf die Feldkanzeln.

Tritt etwas aus, was haben wir Jäger dann vor? Schwarze Klumpen, undefinierbare Schatten! Jeder waidgerechte Jäger lässt den Finger gerade – und muss mit den Konsequenzen in Form von Ersatzleistungen leben.

 

Im Nachtzielgerät sauber zu erkennen. Wäre eine Legalisierung evtl. waidgerechter als von manchem Tierschützer diskutierte Maßnahmen wie chemische Sterilisierung oder gar Saufänge?
Im Nachtzielgerät sauber zu erkennen. Wäre eine Legalisierung evtl. waidgerechter als von manchem Tierschützer diskutierte Maßnahmen wie chemische Sterilisierung oder gar Saufänge?

Doch wie die Schwarzkittel immer pfiffiger werden, um den Kugeln zu entgehen, so bleibt auch jagdtechnisch die Zeit nicht stehen. Forderungen nach geeigneter Nachtsichttechnik werden immer lauter. Nachtsichtoptiken nutzen für das menschliche Auge nicht mehr nutzbares, aber noch durchaus vorhandenes Restlicht und machen es via Transformation auf einem Leuchtschirm sichtbar.

Im Augenblick noch eine heikle Sache! Denn § 19  BJG gibt eindeutig vor, dass es „verboten ist, […] Nachtzielgeräte, die einen Bildwandler oder eine elektronische Verstärkung besitzen und für Schusswaffen bestimmt sind“, einzusetzen. Nach dem Waffengesetz (WaffG, Anlage 1, Abschnitt 1, Unterabschnitt 1) sind Nachtsichtgeräte oder Nachtzielgeräte verboten, die an der Waffe montiert sind.

Damit endet die Verwendung von moderner Nachtsichttechnik beim Ansprechen, was aber schon einmal ein sicheres Identifizieren des Stückes ermöglicht! Doch folgendes Szenario: Hubertus spricht mit dem Nachtsichtgerät aus einer Rotte einen Überläuferkeiler an. Nachtsichtgerät zur Seite, Waffe mit lichtstarkem Zielfernrohr zur Hand. Es herrscht Dunkelheit. Welches war das angesprochene Stück? Hubertus lässt die Waffe sinken und baumt ab. Am nächsten Morgen klingelt sein Telefon. Die Sauen waren im Getreide, ein geschätzter Wildschaden von 500 € ist entstanden. Hätte Hubertus ein Nachtzielgerät geholfen? Vielleicht schon. Das allerdings ist verboten.

Zu Recht?

Ja, werden einige argumentieren. Denn jedes Nachtsichtgerät nimmt dem Jagen den Kern, das Jagen! Die Chancen für das Wild werden immer geringer, ihm wird auch noch die letzte Zuflucht in der Dunkelheit genommen. Die ohnehin schon kurze Ruhezeit verringert sich durch späte Schüsse mit Nachtsichttechnik stetig, das Wild wird noch heimlicher. Was wollen wir dem Wild noch alles antun? Wo bleibt da noch das gute, alte Handwerk?!

Nachtsichtgeräte? Nein, danke!

Zu Unrecht, werden andere sagen. Die Legalisierung von Nachtzielgeräten wäre ein großer Schritt in Richtung nötiger Schwarzwilddezimierung, da ein Ansprechen und Zielen selbst bei fortgeschrittener Dämmerung gut möglich ist. Warum nicht also ein weiteres technisches Hilfsmittel in den Jagdalltag integrieren? Dass Neuheiten als Irrweg der brauchtums- und waidgerechten Jagd verteufelt werden, ist nichts Neues. Es betraf Anfang des 20. Jahrhunderts das Zielfernrohr, auf das heute keiner mehr verzichten möchte, heute sind es Leuchtpunkt und Nachtsichtoptiken. Warum es sich und dem Wild unnötig schwer machen, wenn es nach dem Stand der Technik unnötig ist? Warum nicht mit Nachtsichttechnik schießen, wenn wir heute schon Stücke auf 300 Meter via zigfacher Vergrößerung der Zielfernrohre und hochpräziser Munition erlegen?

 

Keiner muss diese Dinge benutzen, aber jeder, der die Notwendigkeit hat, kann es – wenn erlaubt! Wer wird nicht lieber auf die harte Waffe der Nachtsichttechnik verzichten und bequem am Tag seine Schweine schießen? Aber wer Sauen schießen muss, um der Bestände überhaupt noch Herr zu werden, der wird lieber mit einem Nachtzielgerät sauber schießen, als immense Summe an Wildschadensersatz zu zahlen. Denn die Bestände werden durch immer weiter beschränkten Lebensraum, starken Maisanbau und gute Mastjahre nicht von selbst sinken. Womöglich wird sich sonst in einigen Jahren niemand mehr Feldreviere leisten können. Genau dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich Seuchen ausbreiten. Womöglich auch auf unsere gezüchteten Hausschweine?