Artikel im HessenJäger 10 S44 Sinn von Nachtzieltechnik

Der Artikel spricht mir aus der Seele!

Zunächst betrachtet man die rechtliche Seite: Die Verwendung von Nachtzieltechnik ist ein sachliches Verbot und begründet sich durch die Unterzeichnung des Berner Artenschutzabkommens.

Wenn man dies jedoch genauer betrachtet, dann geht es in erster Linie um bedrohte Spezies, die sowieso völlig geschont sind oder einer Abschussplanung unterliegen.

Das Verbot „pauschal“ ohne Berücksichtigung regionaler vorkommender, biologischer Einflüsse zu erlassen, ist ebenso unsinnig, wie die 3-Schuss-Begrenzung in Selbstladebüchsen, die sich ebenfalls aus dem Berner Artenschutzabkommen begründet.

 

Besser wäre, die Regel drei Schuss oder eben auch mehr im HA und Nachtzieltechnik nach regionalen Vorkommen zu regeln, d.h. in Absprache mit der Jagdbehörde einen Ermessensspielraum einzuräumen. Optimal wäre, die Verantwortung dem Jäger selbst zu überlassen.

Kein waidgerechter Jäger wird mehr als nötig Schüsse auf das Wild abgeben, da er ja effizient und möglichst leidensfrei erlegen will, die Nachsuche meiden und den Wildbretverlust nicht haben will. Dazu will er auch nicht ein Elterntier erlegen, d.h. ein Jäger wird alles tun, um waidgerecht zu jagen. Was will man ihm unterstellen, wenn man bestimmte Technik zur Verwendung untersagt?  Verantwortungslosigkeit?

Zu den Gegnern: Fürchtet ihr etwa, das ein Waffenbesitzer mit Nachtzieltechnik auf Menschen schießt? Die Technik gibt es heute schon und jemand, der töten will, wird sich an keine Gesetze halten.

 Chancen auf Rückzugszeiten und Zuflucht? Hier geht es nicht um Rehwild, Rotwild etc., dieses Wild unterliegt sowieso der Abschussplanung,  also was soll das?

Nachtzieltechnik würde auf Schwarzwild, Waschbär (EU hat diesen als invasiv erklärt) und den Marderhund, der nachtaktiv ist und dem sonst nur mit der Falle beizukommen ist, eingesetzt werden.

Selbst beste Tagesoptik nützt nichts, wenn sich Schwarzwild im Baumschatten aufhält. In Revieren, die vorwiegend Nordhängen haben, und der Mond im Süden/Gegenlicht ist, gibt es kaum Chance zum sicheren Ansprechen. Man sieht selbst in HochleistungsZF, wie ich sie besitze, schlicht nichts.

Ich benutze zum Erkennen ein Wärmebildgerät, keinen Restlichtverstärker. Dieses erlaubt, jede Wärmequelle – von Mäusen und Fledermäusen bis zum Rotwild – bis zu einer Entfernung von 1000 m zu erkennen und bis 650 m zu identifizieren. Diese Geräte sind vom Anschaffungspreis deutlich teurer als Restlichtverstärker, aber die Version ist nur als Fernglasersatz zu verwenden und keine Zieloptik.

Wichtig ist dies, um führende Stücke zu erkennen und ggf. das Geschlecht.

Jedoch ist dies keine Hilfe bei der Kontrolle der Sauenpopulation.

Einerseits wird mit hochmoderner Technik Landwirtschaft betrieben, bis in die Nacht hinein, immer mehr Mais etc. Gleichzeitig entstehen im ökologischen Wald viele Dickungen, bei Ausnutzung landwirtschaftlicher Flächen bis an den Waldrand kaum Chancen für den Jäger zu regulieren. Aber Schadensersatz fordern?

Chemische Sterilisation, Saufang? Das ist wieder Chemie, die auch in den Kreislauf des Menschen gelangt, direkt über das Wildbret oder über das Wasser, und Saufänge, wie in Baden Württemberg benutzt, mit eingeklemmten Schlegel, Stress, etc. das ist dann waidgerecht?

Nachtzieltechnik ermöglicht den selektiven sauberen Schuss ins Blatt, ohne das Risiko, das falsche Stück zu treffen oder aufwendig nachsuchen zu müssen. Komplett dazu mit Schalldämpfer, das reduziert die Lärmbelästigung in der Nacht und den Stress des Wildes. Soll der Jäger noch arbeiten wie vor 100 Jahren, während sich alles andere gerade in der Land- und Forstwirtschaft modernisiert?

Der Jäger soll keine Wildkameras nutzen und möglichst keine Selbstladebüchsen. Nachtzieltechnik und Dämpfung sind tabu. Dafür aber immer mehr Schonzeiten in Kauf nehmen und Geocacher, Freizeitreiter, Jogger, Radfahrer zu jeder Tages und Nachtzeit im Revier dulden. Seine Ausrüstung und seine Stände werden sabotiert, er wird Bambimörder genannt. Auch soll er viel Pacht zahlen, Wildschaden ersetzen und natürlich darf niemals Wild auf den landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzten Flächen sein.

 

In diesem Interessenkonflikt stehen wir Jäger.

 

K. R.