Gedanken zur Apportierausbildung

Und wie geht’s jetzt weiter?

Copyright: Dieter Kuhlmann
Copyright: Dieter Kuhlmann

Inzwischen ist schon Juli – seit Monaten wird mit den jungen Jagdhunden geübt und teilweise macht sich langsam Ungeduld breit: „Immer dieselben Übungen, warum kann ich nicht endlich mit meinem Hund auf Übungen mit Wild, auf Schleppen und Wasserarbeiten übergehen?“, hören die Lehrgangsleiter jetzt häufiger.

 

Ganz einfach: Ohne gutes Fundament kann man nichts Stabiles aufbauen! Erst wenn die Grundübungen immer klappen, ist es sinnvoll, die nächsten Schritte zu machen! Dabei sollte der Führer selbstkritisch sein und sich nicht selbst täuschen, indem er Entschuldigungen bereit hat: „Heute ist es viel zu heiß, er kann wegen Hecheln nicht tragen“, „Andere standen zu nah dran, er war abgelenkt“, „Sie wird bald läufig“, „Er hat eine Hündin gerochen“, „Mehrmals will er das nicht“ oder „Das Apportel hatte vorhin ein anderer schon mal …“.

 

Wer zu Hause übt, dem geht es oft nicht anders: Heute muss er jagen, morgen im Revier arbeiten, übermorgen zum Stammtisch, Baumarkt oder Blasen, … – keine Zeit zum Üben. Doch der Herbst und mit ihm die Prüfungen und der Praxiseinsatz werden unweigerlich kommen, das ist Tatsache, daher muss es wirklich weitergehen. Trotzdem: der Hund muss es können, der nächste Schritt darf erst gemacht werden, wenn vorher eine stabile Grundlage vorhanden ist!

In Bayern gibt es z. B. die „Dressurabschlussprüfung“, die im Sommer abgelegt wird. Hier bewerten Prüfer die Grundlagen im Gehorsam und Apport, ob also zum Aufnehmen von Apporteln verschiedener Größe, Form und Schwere kein Extra-Befehl oder gar Eingreifen des Führers erforderlich ist und beim Herantragen bis zum Sitz und Ausgeben nicht mehr eingewirkt werden muss. Für viele der Gespanne gibt die Prüfung einen erhöhten Anreiz für gewissenhaftes Üben, denn wer bestanden hat, darf für die weitere jagdliche Ausbildung in die Reviere.

Erst ab diesem Ausbildungspunkt werden alle gewohnten Übungen nach und nach mit unterschiedlichem Wild ausgeführt. Kaninchen, Ente, Taube, Krähe, Marder, aber auch mal Hase, Waschbär und Fuchs sollten in der Nähe des Führers – zunächst angeleint – apportiert werden. Dabei ist unbedingt darauf zu achten, dass der Hund nicht auf dem Wild kaut, es ablegen, nachfassen oder Griffe probieren will. Das Ziel dieser Übungen ist das Bringen jeder Wildart mit einem dem Gewicht „angepasstem“ Griff, ohne Zögern oder wiederholte Korrekturen, denn die Genusstauglichkeit des „Lebensmittels Wild“ leidet gewaltig unter zu festem Griff schlecht ausgebildeter Hunde. Je konsequenter und sorgfältiger am Anfang der Ausbildung mit Wild darauf geachtet wird, dass nicht nachgefasst und ruhig gearbeitet wird („feeesthaaalten“ oder ähnliche Ermahnungen helfen da anfangs), desto besser wird es auch in der weiteren Führung gelingen. Wo sich noch keine schlechten Gewohnheiten eingeschlichen haben, da gelingt auch gutes Apportieren und das sollte immer das Ziel jedes Hundeführers sein!

Als nächstes werden mit Nackenwind Schleppen auf gemähten Wiesen gezogen. Anfangs darf der Hund beim Legen noch einmal zuschauen und es geht nur geradeaus oder mit einem gekennzeichneten Haken, 50–100 m reichen. Der Anschuss wird mit etwas Wolle oder Federn markiert, der Hund dort kurz abgelegt, der Anschuss gezeigt und mit dem Befehl „Verloren-Apport“ geht es dann – zunächst an der langen (Feld)Leine – in ruhigem Tempo auf die Schleppe und nach dem Aufnehmen im Laufschritt neben dem Führer zum Anschuss zurück.

Später werden Schleppenlänge und Anzahl der stumpfwinkeligen Haken gesteigert. Wenn die vorherigen Übungen geklappt haben, wird die lange Leine immer früher fallen gelassen, sodass der Hund alleine ans Stück findet und dort zeigt, ob er alles richtig macht. Der Schleppenzieher sollte möglichst immer in der Nähe des ausgelegten Stückes, aber außer Sicht des Hundes, bleiben und das Verhalten am Schleppwild beobachten, damit notfalls sofort eingegriffen werden kann. Das bedeutet zwangsläufig, dass man diese Übungen nicht alleine machen, sondern Familienmitglieder oder Jagdfreunde um Unterstützung bitten sollte. Das muss auch gar nicht so häufig sein, denn im Allgemeinen genügen vom Feder- oder Haarwild je 1–2 Schleppen pro Woche. Dabei die Form der Schleppe (S- oder U-Form) variieren, Haken nicht immer in dieselbe Richtung und immer darauf achten, dass der Hund das Schleppenlegen sowie auch die Arbeiten anderer Hunde nicht beobachtet! Sonst passiert es, dass er zu vorher beobachteten Schleppen läuft und diese arbeitet, keinen Erfolg hat und „frustriert“ zurückkommt. Dabei sollte aber das unbedingte Lernziel sein, dass der zur Schleppe angesetzte Hund weiß, dass am Ende IMMER etwas zu finden und bis zum Führer zu bringen ist! Ein Hund, der leer zurückkommt, in freie Suche übergeht, unterwegs fallen lässt oder beginnt, mit dem Wild zu spielen, hat die Aufgabe noch nicht verstanden! Er wird mit scharfem Kommando erneut angesetzt, ggf. angeleint zum Stück geführt, dort zum – ihm ja aus all den vorhergehenden „Trockenübungen“ bestens bekannten – Aufnehmen vom Boden gezwungen und natürlich sehr gelobt, wenn er dann findet und bringt. Er muss bei diesen Übungen verinnerlichen, dass es für ihn das Beste ist, auf direktem Weg fehlerfrei zu bringen, was bei fleißigem, konsequentem Üben auch gelingt!