Alle meine Entchen …

Copyright: Dieter Kuhlmann
Copyright: Dieter Kuhlmann

Antje Engelbart-Schmidt

Und schon ist September, die vom Niederwildjäger freudig erwartete Zeit der ersten Entenjagden, zu deren Durchführung vom Gesetzgeber die Verwendung brauchbarer Hunde verlangt wird. Bevor Hunde hierbei eingesetzt werden dürfen, müssen sie also ihre Brauchbarkeit auf entsprechenden Prüfungen (Zuchtprüfungen mit Zusatz, Gebrauchs- oder auch Brauchbarkeitsprüfungen) nachweisen. Nach der gründlichen Vorbereitung im Verlauf des Sommers müssen dazu noch Übungen mit Schießen am Wasser gemacht, das Arbeiten von Schwimmspuren lebender Enten und nicht zuletzt der Apport warmen Wildes geübt werden. Dass bei allen Arbeiten mit lebenden Enten die Regelungen der für jede Rasse verbindlichen „Verbandsprüfung Wasser“ eingehalten werden, sollte dabei selbstverständlich sein. Es sollte auch unbedingt jedem Hundeführer bewusst sein, dass Arbeiten mit kurzfristig nach der „Müller-Methode“ flugunfähig gemachten Enten in Hessen nicht erlaubt sind! 

Zunächst muss aber– wie auf den Prüfungen auch – die Schussfestigkeit am Wasser kontrolliert, bzw. jetzt erarbeitet werden. Hierbei empfehle ich unbedingt, vorsichtig vorzugehen, insbesondere wenn ein Hund etwas sensibel ist oder er bereits beim Schießen im Feld mal Probleme gezeigt hat. Es erweist sich eigentlich immer, dass Probleme, die sich beim Schuss am Land gezeigt haben, auch am Wasser – und da oft verstärkt – auftreten. Auf den Verbrauch von ein paar (am Wasser bleifreien!) Patronen mehr sollte es einem da nicht ankommen. Und bei „Wackelkandidaten“ auch hier wieder unbedingt Zeit einplanen, nicht alles an einem Tag machen wollen (Nicht: „Jetzt sind wir schon mal hier, da machen wir‘s gleich noch mal …“).

Beherrscht der Hund also inzwischen freudiges Schwimmen und sicheren Apport aus dem Wasser, dann lasse ich ihn wenn möglich einmal zuschauen, wie für einen anderen Hund eine tote Ente ins Wasser geworfen wird, er sieht das freudige Schwimmen in Richtung der Ente, hört den folgenden Schuss und wird im günstigen Fall schon neidisch – und oft sehr schnell auch schusshitzig, daher Vorsicht, dieses nicht häufiger üben als nötig! Als nächsten Schritt lasse ich den Hund am Ufer sitzen, eine Ente wird geworfen und zeitgleich in die Luft geschossen, der (hoffentlich freudige) Hund darf dann sofort bringen. Die nächste Ente fliegt dann wieder mal ohne Schuss. Dabei immer auf korrektes Bringen, Ausgeben und je nach Temperament unbedingt auf Ruhe achten, Ansätze zum Knautschen aus Aufregung mit scharfem Kommando unterbinden.

Klappt alles wie erhofft, erfolgt der nächste Schuss – noch immer in die Luft! – wenn der Hund mit Ente bereits auf dem Rückweg ist. Anschließend immer wieder dasselbe ohne Schuss, danach folgt der Schuss in die Luft kurz vor dem Ergreifen der Ente. Es folgen die gleichen Übungen mit Schuss auf das Wasser, zuerst nach dem Aufnehmen der Ente beim Zurückschwimmen zum Führer, dann kurz vor dem Ergreifen und zuletzt, wie in den Prüfungen gefordert, auf dem halben Weg zur Ente.

Wenn alles gut gelingt, und nur dann, darf jeweils weitergemacht werden. Selbstverständlich sollten, wie bereits erwähnt, nicht alle diese Übungen hintereinander gemacht werden, sondern immer mal ein anderer Hund arbeiten oder eine Pause eingelegt werden. Man kann und muss das nicht für jeden Hund identisch machen und man muss vor allem sehen und im Gefühl haben, wann man – nach positivem Arbeiten – aufhören sollte. Dasselbe gilt für die Frage, ob man alle diese Einzelschritte mit seinem Hund wirklich machen muss – bei den meisten Hunden reicht einmal Schießen in die Luft beim ersten Bringen der geworfenen Ente, danach dieselbe Übung mit Schuss auf das Wasser und es ist erledigt. Doch gerade bei diesem sensiblen Fach können viele Fehler gemacht werden, schnell verknüpft so mancher Hund „Ente knallt! Da schwimme ich nicht hin!“ Wer sich unsicher ist, sollte lieber mithilfe eines erfahrenen Hundeführers in den beschriebenen kleinen Schritten vorgehen.

Zwischen den ja immer nur kurz dauernden Übungen zur Schussfestigkeit wird immer wieder auch das Suchen einer toten Ente aus Deckungen geübt (im Schilf, unter Büschen versteckt), dabei soll der Hund sich, wie bereits seit längerer Zeit praktiziert, über freie Flächen schicken lassen und suchen, bis er findet. Unbedingt Ungeduld und Zeitmangel vermeiden – sehr schnell lernen die Hunde, dass der Führer einen Stein (niemals Stöckchen!) wirft, damit es schneller geht, wenn er nicht findet und beim nächsten Mal erwartet er das schon. Geduld – jedes Finden nach ausdauerndem Suchen bewirkt beim nächsten Mal größeren Finderwillen und Ausdauer!

Wenn nun all diese Vorübungen klappen, der Hund sich auch im Wasser als schussfest zeigt und immer freudig und sicher zuträgt – ansonsten müssen sofort wieder notwendige Korrekturen an Land bzw. angeleint beim Herausbringen aus dem Wasser dazwischengeschoben werden – dann darf, wo die Möglichkeit dazu besteht, die erste Arbeit mit der lebenden, kurzfristig flugunfähig gemachten Ente erfolgen. (Achtung noch mal: Dieses ist in Hessen nicht erlaubt!) Hunde, die Schleppen sicher arbeiten, korrekt Apportieren und im Wasser ausdauernd auch in Deckungen suchen, werden keine Probleme machen, wenn sie jetzt beim Stöbern auf die Schwimmspur einer Ente kommen. Gelingt es ihnen, diese schussgerecht – nicht zu nah und nicht über den Kopf des Hundes schießen, Winkel beachten – vor die Flinte des Führers zu drücken, darf sie erlegt werden. Den Abschluss sollte jetzt das saubere Apportieren dieser vermutlich ersten wirklich „warmen“ Beute bilden – nach der fleißigen, zielgerichteten Vorbereitung sicher kein Problem. Mit solchen maximal drei erlaubten Übungen sollte das Bestehen auf der Zucht-, Gebrauchs- oder Brauchbarkeitsprüfung und natürlich vor allem dann die Arbeiten in der Praxis für Führer und Hund auf den kommenden Enten- und Gänsejagden Freude und Erfolg bringen. Ich wünsche dazu Waidmannsheil!