„Such verwund“

Der weitere Weg zum brauchbaren, vielseitig geführten Hund auf der Schweißfährte

Foto Carmen Noll: Erfolgreiche Nachsuche nach Verkehrsunfall!
Foto Carmen Noll: Erfolgreiche Nachsuche nach Verkehrsunfall!

Antje Engelbart-Schmidt

Wie ich bereits im letzten Artikel beschrieben habe, ist der Weg zum zuverlässig einsetzbaren, vielseitig geführten Hund auf der Wundfährte von Schalenwild im Allgemeinen relativ mühevoll und braucht seine Zeit. Dieser Weg ist auch nicht mit dem Bestehen des Faches Schweiß auf einer Brauchbarkeitsprüfung oder VGP/GP-Fährte beendet.

Natürlich ist bereits ein wichtiger Schritt getan, wenn der (junge) Jagdhund nun freudig das Anlegen der Schweißhalsung oder des Geschirrs erwartet und mit überwiegend tiefer Nase der zunächst immer möglichst gut markierten künstlichen Übernachtfährte von 400–600 m Länge folgt. Diese Fährten werden zunächst alle ein bis zwei Wochen gelegt und bei jedem Wetter gearbeitet, wobei auch zwangsläufig eintretende kleinere oder größere Übungspausen nichts schaden.

Meine Ausrüstung. Foto: Antje Engelbart-Schmidt
Meine Ausrüstung. Foto: Antje Engelbart-Schmidt

. Wichtig ist, dass der Führer mit Ruhe und Geduld auftritt, nicht: „Oh-je, ich muss ja in meinen engen Zeitplan unbedingt irgendwie noch eine Fährte dazwischenschieben …“ – diese Hektik und vielleicht dadurch bedingte Ungeduld schaden mehr, als dass sie dem Gespann helfen! Daher der Rat: Wenn man sich z.B. eine Fährte gelegt hat und will sie arbeiten lassen, aber es ist nur noch sehr wenig Zeit, bis es dunkel wird oder bis der nächste „Zwangstermin“ ansteht, dann sollte man diese Arbeit notfalls auf den Folgetag verschieben oder schlimmstenfalls lieber ausfallen lassen. Eine in Ausnahmefällen mal als 40-Stunden-Fährte mit ruhigem Zuspruch durchgeführte Suche ist für die weitere Entwicklung des Gespanns die bessere Alternative, denn Fehler, die aus Ungeduld durch Zeitmangel entstehen, muss man sonst in mühevoller Arbeit wieder ausbügeln.

Die Fährten werden zunächst immer gut markiert – dazu eignen sich je nach Wetter und Waldbild Kreide, Forstmarkierband, an Bäume angelegte Stöcke etc. – um den Hund immer gut beobachten, „lesen“ und ggf. richtig korrigieren zu können. Die Schweißmenge beim Tupfen oder Spritzen/Tropfen sollte von der Menge immer etwas ungleichmäßig in der Fährte verteilt werden. Wer die Möglichkeit hat, sollte ab und zu auch mal die Gelegenheit nutzen, eine mit den Schalen von Wild getretene Fährtenschuhfährte fast ohne Schweiß zu legen und zu arbeiten. Dadurch bleibt es immer etwas „spannend“/interessant für den suchenden Hund. 

Ich verwende, wie bereits geschrieben, zum Einarbeiten immer nur Rinderblut, Hammelblut ginge natürlich genauso. Es ist jederzeit leicht erhältlich und ich bin davon überzeugt, dass es für den Hund noch mal einen gewissen „Kick“ bedeutet, wenn er dann auf Prüfungen mit reinem Wildschweiß konfrontiert wird. (Ich meine, das ist so ähnlich, als wenn jemand immer nur Wasser oder Schorle bekommt und dann auf einmal puren Wein oder Saft). Fast immer beobachte ich, dass so eingearbeitete Hunde dieser neuen, reizvoll-intensiven Witterung auf der Prüfung mit noch mal gesteigertem Interesse und Konzentration/Folgewillen nachgehen. Dabei bin ich aber keinesfalls so konsequent, dass ich mögliche einfache Totsuchen als Erfolgserlebnis für den entsprechend vorbereiteten Hund ablehne. Auch wenn danach manchmal die „Kuhfährte“ zunächst langweilig erscheint – da muss man durch! Der Gehorsam, entsprechendes Lob und Belohnung am Fährtenende bewirken, dass auch von meinen „alten“ Hunden, die schon lange im echten Einsatz stehen, als Training immer wieder freudig künstliche Fährten mit Rinderblut gearbeitet werden.

Für die Schweißmenge gilt keinesfalls das Motto: viel hilft viel! Ich habe mir angewöhnt, fast von Beginn an nicht mehr als umgerechnet knapp ¼ l Blut auf 1000 m Fährtenlänge zu verwenden. Das heißt also auch, dass ich bereits bei der Einarbeitung auf die 400 m langen VGP- oder BP-Fährten nur ca. 1/8 l verwende. Denn wenn die Aufgabe für den Hund zu leicht ist, arbeitet er schnell und fahrig.

Das Arbeitstempo bestimmt unbedingt und immer der Führer! Wer sich von seinem Hund wie ein Stück Schleppwild am Ende des Schweißriemens durch den Wald ziehen lässt, macht keine Schweißarbeit, sondern bestenfalls Hindernislauf mit Reaktionstraining. Zudem wird er Schweiß oder Pirschzeichen im Allgemeinen nicht zeigen können und damit insbesondere in der Praxis keine Bestätigung und dem bangenden Schützen, der das Gespann zur Nachsuche gerufen hat, entsprechend auch kein Vertrauen in die Arbeit geben können. Auch ist es keinesfalls gut, wenn man wegen der „wüsten“ Arbeitsweise seines Hundes den Riemen loslässt oder den Hund die Fährte frei arbeiten lässt (auch wenn viele Hunde so etwas gern hätten und alleine ohne ihren störenden Führer wirklich oft besser ans Ziel kämen) – Schweißarbeit bedeutet Riemenarbeit! Und dazu muss ein Hund gemäß dem Motto vieler Schweißprüfungen „riemenfest und fährtentreu“ gemacht werden. „Riemenfest“ bedeutet dabei eben nicht nur, dass natürlich der Riemen „fest“ mit der Halsung und damit dem Hund verbunden ist, sondern auch, dass der Hund es ohne größeren Konzentrations- und Motivationsverlust aushält, dass sich der Riemen mal verhakt oder aus anderen Gründen stört, der Führer nicht immer gut mitkommt oder andere Arbeitsstörungen „geduldet“ und deshalb vorher trainiert werden. 

Fährtentreues Arbeiten erreicht man über häufiges Training, abwechslungsreiche Gestaltung und mit dem Fortschritt entsprechenden Steigerungen in der Schwierigkeit. Dabei immer nur eine Schwierigkeit erhöhen, also entweder die Fährtenlänge oder das Gelände oder die Verleitungen oder die Stehzeit ... Dazu sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, so ist es zum Beispiel leichter, Fährten am „helllichten Tag“ auszuarbeiten als in den Morgen- oder Abendstunden, die man also erst mit steigender Erfahrung nutzen sollte. Das Gelände kann man zum Beispiel steigern von Hochwald mit Laubdecke über Nadelwald zu Dickungen. Fährten parallel zu Wald-Feldrändern, wo die Verleitungen rechtwinklig kreuzen, Fährten in der Nähe von Suhlen, Kirrungen, häufig benutzten Wechseln „fordern“ den Hund und seinen Führer! Alternativ kann man selbstverständlich auch „eigene Verleitungen“ legen, indem man kurze Zeit bevor die Arbeit auf der künstlichen Fährte begonnen wird, an gut sichtbar markierten Stellen rechtwinklig oder schräg über die Fährte kurze (z.B. Kaninchen-)Schleppen zieht, um zu erkennen, wie sich der Hund in einer solchen Situation verhält. Zu Beginn der Ausbildung wählt man Waldteile mit weniger Wildverleitungen, später geht’s dann auch mal ganz in die Nähe oder direkt in die Einstände. Wenn man anfangs nur Reviere mit Rehwild aufsucht, wird später gezielt in Revieren mit Sauen, möglichst auch Rot-/Dam- oder auch Muffelwild geübt. Nicht unterschätzt werden sollten auch die Verleitungen durch Kaninchen- oder Fuchsbaue! Heißt doch nicht umsonst ein oft zitierter Spruch: „Der Teufel ist ein Eichhörnchen“, denn auch solche kleinen „Störenfriede“ haben schon so manche Schweißarbeit nachhaltig behindert.

Der nächste und ganz wichtige große Schritt vor dem „echten Einsatz“ in der Praxis ist dann der, dass man mit seinem Hund unbekannte, also unmarkierte und nicht selbst gelegte Fährten arbeitet. Dazu muss man sich mit anderen Jägern und Hundeführern zusammentun, sich gegenseitig beim Fährtenlegen und Revierteile-zur-Verfügung-stellen unterstützen. Dabei sollte man nicht mehr markieren, sondern wenn möglich mithilfe von Geländemerkmalen, (Hochsitzen, krumme/besonders erkennbare Bäume, Erdhaufen, Baumstümpfen …) protokollieren oder evtl. GPS-gestützte Computeraufzeichnungen machen. Der Fährtenleger und Begleiter sollte den Verlauf der Fährte unbedingt jederzeit kennen und dem Führer beim Beobachten und Erkennen der Arbeitsweise des Hundes helfen.

 

Woran und wann erkennt man, dass der Hund abkommt und einer Verleitung folgt? Manche Hunde hören kurz oder ganz mit dem sonst gewöhnten leichten Rutenwedeln auf, andere beginnen gerade dann damit, meist wird die Nase hochgenommen und das Tempo, der Riemenzug, deutlich erhöht – allerdings manchmal nur kurz, dann wieder „scheinheilig“ weitergemacht wie vorher. Durch viele fleißige Übungen lernt man, seinen Hund zu lesen, was zugegeben oft nicht leicht ist. Beim Folgen hinter anderen Gespannen, denen man dann natürlich auch helfen sollte, lernt man auch immer besser, Schweiß- und Pirschzeichen zu finden, sodass es einem langfristig auch beim eigenen Hund während der Arbeit gelingt. Dann ist der Weg frei für Einsätze in der Praxis und natürlich auch zur Verbandsschweiß- oder -fährtenschuhprüfung als Nachweis dieser – gegenüber den VGP-/BP-Hunden doch erhöhten – Einsatzfähigkeit. Für diese spannende und immer wieder auch mit Höhen und Tiefen verbundene Ausbildung wünsche ich allzeit Waidmannsheil!

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