Auf, auf zum fröhlichen Jagen

Gedanken zur Brauchbarkeit

Foto Antje Engelbart-Schmidt: Jeder Hund sollte da eingesetzt werden, wozu er seine Brauchbarkeit nachgewiesen hat.
Foto Antje Engelbart-Schmidt: Jeder Hund sollte da eingesetzt werden, wozu er seine Brauchbarkeit nachgewiesen hat.

Antje Engelbart-Schmidt

 

Es ist vollbracht, das Hundeausbildungs- und -prüfungsjahr ist rum, jetzt wird (hoffentlich!) fleißig mit den Hunden gejagt! Doch welchen Hund darf ich denn nun wirklich zu welcher Jagd mitführen? Reicht das, was ich mit meinem Hund erreicht habe, zur Teilnahme wirklich aus?

Diese Frage ist nicht so einfach mit einem „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Zunächst einmal ist das vom Bundesland abhängig, in dem ich den Hund zur Jagd einsetzen will. Das Bundesjagdgesetz schreibt dazu leider keine für alle Bundesländer verpflichtenden Definitionen vor, sodass Nachweise/Prüfungen unter die Hoheit der einzelnen Länder gestellt sind … Damit sind die Bedingungen zum Einsatz brauchbarer Hunde so verschieden, wie unsere Bundesrepublik!

 

So verlangt unser Hessisches Jagdgesetz im §28 (1), dass bei jeder Such-, Drück- und Treibjagd, bei jeder Jagdart auf Wasserwild sowie bei jeder Nachsuche jeweils brauchbare Jagdhunde zu verwenden sind. Also müssen die eingesetzten Hunde die Brauchbarkeit für die auf dieser Jagd und an diesem Jagdtag gerade durchgeführte Jagdart besitzen. Genauer gesagt heißt das also: Es müssen zu einer Jagd, auf der auch Niederwild wie Hase, Kanin, Fuchs, Taube, Gans oder Ente freigegeben werden, Hunde mitgeführt werden, die nachgewiesen haben, dass sie zur Nachsuche auf Niederwild (ohne Schalenwild) brauchbar sind, also dass sie zuverlässig apportieren können. Diesen Nachweis haben sie hoffentlich auf den herbstlichen Zuchtprüfungen wie der HZP, auf Eignungs-, Gebrauchs- oder Bringleistungsprüfungen der verschiedenen Zuchtvereine oder natürlich auf VGP (Verbandsgebrauchsprüfung), VPS (Verbandsprüfung nach dem Schuss) oder als Modul der hessischen Brauchbarkeitsprüfung (BP) erbracht.

Gerade in diesem Aufgabenbereich der Hundearbeit wäre es tierschutzwidrig, Hunde einzusetzen, die diese Brauchbarkeit nicht nachweisen können. Es nützt dem kranken Wild nichts, wenn ein im Fach Stöbern hervorragend ausgebildeter und geprüfter Hund mitgeführt wird – er muss nachweislich zusätzlich auch zum Bringen von Wild brauchbar sein. Dasselbe gilt für die vielen Hunde, die jedes Jahr die Brauchbarkeit zur Nachsuche auf Schalenwild bestehen, dass sie nicht zwangsläufig dazu geeignet sind, auf kranke Tauben, Enten, Füchse oder Hasen eingesetzt zu werden. Doch seitdem in Hessen die Brauchbarkeit nicht mehr als Gesamtprüfung, wie nach der bis 2008 gültigen Jagdeignungsprüfungsordnung, sondern in vom Führer gewählten Einzelmodulen nachgewiesen werden kann, ist landauf, landab die Motivation, den Hund im Apport ordentlich auszubilden, deutlich gesunken. Vielen Hundeführern genügt seitdem der Nachweis einer Teil-Brauchbarkeit. Sie hören bei den ersten Schwierigkeiten in der Apportier-Ausbildung auf und lassen ihren Hund nur in einem oder in zwei Fächern prüfen. Doch eingesetzt wird er zu allem, wozu man eingeladen wird oder was anfällt! Denn von welchem Jagdleiter wird neben der Jagdscheinkontrolle die Qualifikation der Hunde vor dem Einsatz überprüft? Das ist in manchen Bundesländern anders. Dort haben die Hundeführer für ihre Hunde eine kleine Checkkarte (Prüfungsnachweiskarte), aus der ersichtlich ist, wofür dieser Hund jagdlich verwendet werden darf.

Dabei halte ich es für unproblematisch, wenn ungeprüfte Hunde eingesetzt werden, um zum Beispiel das Stöbern zu lernen, denn dabei handelt es sich um eine Arbeit vor dem Schuss. Für die Arbeiten nach dem Schuss – also den Apport an Land und aus dem Wasser sowie natürlich für die Nachsuche auf Schalenwild – sollten NUR Hunde eingesetzt werden, die ihre Brauchbarkeit nachgewiesen haben! Der Einsatz ungeprüfter Hunde verlängert möglicherweise die Leiden verletzter Tiere und erschwert den wirklich brauchbaren Hunden die Arbeit!

Es wäre wünschenswert, wenn zum Nachweis einer in vielen Bereichen und in den meisten Bundesländern anerkannten Brauchbarkeit die bereits erwähnte „Verbandsprüfung nach dem Schuss“, also die ursprünglich genau dafür einmal „erfundene“ VPS, in den Kreisgruppen und Vereinen viel mehr Beachtung finden würde. Sie ist – wenn sie ohne das Wahlfach Fuchs („oFu“) durchgeführt wird – für alle Hunderassen, die körperlich zum Apportieren eines Kaninchens, einer Taube oder Ente in der Lage sind, der Brauchbarkeits-Nachweis für die Module „Nachsuche auf Schalenwild und alles Niederwild“ sowie zum „Stöbern“. Da diese Prüfung außerdem vom Jagdgebrauchshundverband im Deutschen Gebrauchshunde Stammbuch (DGStB) aufgeführt wird, haben Züchter hier einen Nachweis über die Brauchbarkeit der von ihnen gezüchteten Hunde, während die Ergebnisse der Brauchbarkeitsprüfungen in den Bundesländern leider nirgends zentral erfasst werden – ein Aspekt, der langfristig nicht ohne Beachtung bleiben sollte. Dies wäre deshalb auch mein Wunsch für das kommende Jahr und die „kynologische Zukunft“.

Doch zunächst wünsche ich allen Gespannen, dass sie das gelernte und nachgewiesene Können in der Praxis zeigen und vor allem natürlich, dass sie von allen jagdlichen Einsätzen gesund und so oft wie möglich auch erfolgreich zurückkommen. Frohe Weihnachten, ein gutes neues Jahr, Waidmannsheil und Ho-Rüd-Ho wünscht

 

Antje Engelbart-Schmidt

Kommentar schreiben

Kommentare: 0