Hurra, hurra, der Welpe ist endlich da!

Es ist wieder April – der Frühling ist da, ein neues Jagdjahr hat begonnen und bei manch einer Jägerfamilie zieht jetzt ein neuer Jagdhelfer ein. Bereits in den letzten Monaten habe ich über die notwendigen Gedanken und Vorüberlegungen geschrieben, die man sich dazu machen sollte. Im weiteren will ich nun versuchen, meine Erfahrungen zum Umgang mit einem neuen Welpen in der Anfangszeit weiterzugeben, da Welpenkäufer oder Junghundebesitzer – rasseunabhängig - immer wieder dieselben Fragen stellen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich aber auch gleich einmal danken für die vielen – meist sehr positiven – Rückmeldungen zu meiner Kolumne und Sie auffordern, mir ggf. gern Anregungen zu weiteren gewünschten Themen zu geben oder auch Fragen zu stellen, die ich versuchen werde, aus meiner Erfahrung und Sicht zu beantworten.  

Wann und wie sollte ich mit der Erziehung oder Ausbildung meines Welpen beginnen?

 

Dies geschieht genaugenommen bereits im Moment der Übernahme. Am ersten Tag sollte der Welpe möglichst nicht gleich sämtlichen Nachbarn, Freunden oder Verwandten vorgestellt werden, er hat vermutlich genug damit zu tun, sein neues Zuhause zu erkunden und „seine“ neue Familie kennenzulernen, die ihm ja jetzt Mutter, Geschwister und den Züchter samt Familie als Sozialpartner ersetzen müssen. Das heißt also, dass man den Abholzeitpunkt möglichst so legt, dass nicht am selben Wochenende noch eine Familienfeier, ein Grillfest oder eine Einladung vorgesehen sind. In so einem Fall sollte man den Welpen besser erst einige Tage später abholen, in eine Phase von entspannter Ruhe im neuen Zuhause. Am allerschönsten wäre es natürlich, wenn ein Familienmitglied sich für die Eingewöhnungszeit einige Urlaubstage - 10 – 14 Tage - nehmen könnte. Der bereits vorher gut ausgewählte Liegeplatz, an dem man den Welpen möglichst auch beobachten kann, er aber auch seine Ruhe hat, wird mit der vom Züchter mitgebrachten Decke und einem kleinen Kauspielzeug versehen und der neue Hausgenosse nach dem Erkunden des nächsten Umfeldes und der ersten Fütterung dort untergebracht. Bereits jetzt verwende ich dabei den Befehl, den ich später auch immer sagen will, wenn der Hund auf seinen „Platz“, „Hundeplatz“, „Körbchen“, „Nest“ oder ähnlich gehen soll. Schläft er bereits woanders ein, lege ich ihn schlafend ganz ruhig dort hinein. Sobald der neue Hausgenosse dann wieder aufwacht, muss er sofort an einen Ort getragen werden, wo er sich in der nächsten Zeit lösen soll. Anfangs trage ich den Welpen nach draußen, damit auf dem Weg dorthin kein Malheur passiert. Dort wird er – auf Gras oder Erde – abgesetzt und beobachtet. Sobald das gewünschte „Geschäft“ erledigt ist, wird er gelobt und darf wieder ins Haus, jetzt auf seinen eigenen Pfoten. Diese Prozedur wiederhole ich nach jedem Aufwachen und Fressen, dazwischen beobachte ich den Welpen möglichst gut, damit ich bemerke, wenn er unruhig wird und suchend umherläuft, sich zu drehen beginnt. Da junge Hunde die reinsten „Durchlauferhitzer“ sind – kaltes Wasser vorne rein, sofort danach warmes „Wasser“ hinten raus – muss man zusätzlich unbedingt die Wasseraufnahme im Auge behalten, nach jedem Trinken anfangs immer nach draußen. Hilfreich kann es sein, wenn man sich einen Wecker stellt, z.B. im Handy, und den Welpen anfangs ca. jede Stunde, und wenn das klappt in größer werdenden Zeitabständen nach draußen bringt. Je besser man aufpasst, dass diese Anfangszeit ohne Pfützen im Haus gelingt, desto schneller versteht der Welpe das Prinzip und meldet sich von selbst durch zur Tür laufen oder sogar „fiepen“. Die Fütterungszeiten – anfangs bekommen die Junghunde ja noch vier, später drei Mahlzeiten – sollte man schnell so legen, dass die letzte Fütterung lange genug vor der Schlafenszeit ist, damit der Welpe sich gelöst und genug getrunken hat. Nachts bringe ich den Kleinen anfangs in meiner Hörweite in seiner Kiste oder Box unter, sodass ich höre, wenn er unruhig wird, „sich meldet“. So erreicht man die Stubenreinheit, die erste Hürde, vor der viele Angst haben, meist ziemlich schnell.

 

Ich gewöhne den Welpen auch von Anfang an tagsüber an den gelegentlichen Aufenthalt in einem Zimmerkennel oder einer Box – es gibt immer mal Phasen, wo der Hund nicht beaufsichtigt werden kann, wo vielleicht Besuch da ist, der keine Hunde verträgt oder anderes, da ist es gut, wenn das klappt. Versehen mit Spielzeug und/oder etwas zum Kauen (z.B. Ochsenziemer, Schweineohr, Büffelhautknochen) und natürlich vorher genügend „bespielt“, gelingt das meist auch gut. Alternativ ist das der Zeitpunkt, den Junghund an stundenweisen Aufenthalt im Zwinger zu gewöhnen. Wenn man weiß, dass er alles hatte, sollte man versuchen, über anfängliches „Maulen“ oder Gebell hinwegzuhören und keinesfalls den Hund genau dann rauszuholen, wenn er gerade lautstark jault – er würde das als positives Ergebnis seines Protestes ansehen und nächstes Mal umso intensiver oder länger zu hören sein. Vor der Befreiung unbedingt „eine ruhige Minute“ (Phase) abwarten und ihn dann mit Lob wieder in die Freiheit entlassen. Der Aufenthalt getrennt vom Führer sollte dabei keinesfalls als Strafe angewendet werden, eher sollten Box oder Zwinger als zeitweiliger, ruhiger Rückzugsort empfunden werden.  

 

Möglichst direkt nach der Übernahme sollte man – wenn noch nicht beim Züchter geschehen - den Welpen an ein Halsbändchen und bald auch eine Leine gewöhnen. Das Halsband (Leder, Biothane, Nylon oder anderes) sollte so breit wie möglich sein, sinnvollerweise zum Mitwachsen mit größerer Verstellmöglichkeit. Aber dabei bedenken, dass lang überstehende Enden zum Beispiel an einem zu großzügig „auf Zuwachs“ gekauften Lederhalsband schnell den kleinen Zähnen zum Opfer fallen können. Zughalsbänder, die sich zusammenziehen, eignen sich für die Anfangszeit und das An-der-Leine-laufen-lernen garnicht. Ich persönlich bin auch gegen ein Geschirr, sowohl beim Welpen, als auch beim größeren Hund, es führt teilweise zu merkwürdigem Laufstil mit abgewinkelten Vorderläufen. Und beim älteren Hund bin ich der strikten Meinung, dass ein Hund sowieso unbedingt lernen sollte, ohne heftiges Rucken ordentlich an der Leine zu gehen; tut er dies nicht, wird er von mir nicht durch Verwendung des Geschirrs besonders „geschont“, denn er soll ruhig erkennen, dass es auch ihm wehtut, wenn er mir durch sein plötzliches Straffen der Leine die Schulter auskugelt. Die Leine wird anfangs möglichst erst am Ende des Spazierganges angelegt, wenn erste Bewegungsdrang gestillt ist. Überhaupt wollen und müssen junge Hunde in den ersten Wochen nicht besonders lange spazieren gehen. Es klappt meist am Besten, wenn man mit dem Junghund keine „Runde dreht“, sondern dasselbe Stück Weg hin und zurück läuft. Auf diesem Rückweg, den sie dann vom Hinlaufen ja schon kennen und gern laufen, lernen sie ganz schnell und fast unmerklich die eigentlich störende Leine problemlos zu dulden.

 

Bei diesen kleinen Ausflügen geht’s auch beinahe unbemerkt weiter mit der Ausbildung/Erziehung… Wo immer es aus Sicherheitsgründen vertretbar ist, laufen wir dem Welpen nicht hinterher, sondern gewöhnen ihn daran, dass er zu uns kommt! Dazu kann man sich z.B. „klein machen“, also hinhocken, man kann auch Wegrennen andeuten, dazu natürlich immer auch sich durch Bewegungen bemerkbar machen und den Namen des Welpen rufen. Kommt er, darf er gern eine kleine Belohnung erhalten. Diese – immer schnell griffbereit in einem kleinen Beutel untergebracht – bewirkt meist sehr schnell eine positive Verknüpfung für die Bedeutung von Ruf und bald auch Pfiff. Man kann zum Locken den Beutel auch mal geräuschvoll schütteln. Sitzt diese Verknüpfung „Komm-ruf/-pfiff bedeutet Belohnung“ beim Junghund, gibt’s diese Motivations-Verstärkung nur noch jedes 2., oder 3. Mal, es wird einfach etwas unberechenbarer. Sehr gut geeignete Übungen sind in dem Alter auch Versteck-Übungen: Der Welpe, der schon etwas mehr an uns gewöhnt ist, läuft ohne auf uns zu achten weiter vor oder bleibt schnuppernd zurück. Wenn sich der Führer jetzt schnell versteckt (z. B. hinter Gebüsch, Hecke, Holzstapel, Baum oder im Mais) findet der Welpe ihn nicht sofort, sondern sucht ihn – teilweise ganz aufgeregt – und nimmt im günstigen Fall irgendwann suchend die Nase auf den Boden. So findet er den Führer, der dabei vielleicht mit einem kleinen Geräusch (leises Pfeifen, Quietschen, …) hilft! Dieses freudige Finden und die darauf folgende, wieder viel größere Aufmerksamkeit, die der Welpe dem Führer anschließend entgegenbringt, ist sehr prägend und bewirkt eine absolut erwünschte Form der Führigkeit. In diesem Alter wäre es für ihn nämlich sehr schlecht, den Anschluss an sein Rudel zu verlieren. Für das gesamte Hundeleben ist es sehr hilfreich, wenn der Hund gelernt hat, dass er nach seinem „Chef“ sehen muss und nicht der „Möchte-gern-Chef“ ständig nach ihm! Natürlich gehört dazu auch die ererbte Anlage, aber die kann man so sehr erfolgreich fördern. Manche Hunde geraten allerdings beim Versteckspiel regelrecht in Panik - dann muss man sich deutlich bemerkbar machen; daher sollte man etwas auch nie in Straßennähe machen, denn einige Hunde rennen bis zum abgestellten Auto oder nach Hause zurück.  Bei diesen anfangs kleinen Ausflügen, die dem Alter und Temperament angepasst auch schnell größer werden dürfen, lernt der junge zukünftige Jagdhelfer natürlich auch sehr viel kennen. Unbekannte Geräusche, Gerüche, Situationen werden hoffentlich gemeinsam und stressfrei bewältigt, das stärkt das Wesen und den Zusammenhalt. Die Nase entwickelt sich dabei zusehends, besonders wenn wir als Führer uns für das vom Junghund Untersuchte „interessieren“ und ihn natürlich auch selbst auf interessante Dinge aufmerksam machen. Diese Spaziergänge sollten - altersangepasst – dann so bald wie möglich immer wieder in ganz unterschiedliche Gegenden führen, mal in einen Wald, dann wieder durch ein Dorf oder später auch mal kurz in die Stadt, dann ins Feld, an Hecken entlang, durch Altgras, an Teichen oder Bachrändern, über Baumstämme hinweg, mit zum Abholen aus Schule oder Kindergarten (mit vielen fremden Streichelkontakten!).

 

 

All dies ist wichtiges Lernen! Das Wesen stabilisiert sich und vor allem „wacht die Nase auf“. Dass man - neben diesen genauso für jeden Familien-Hund wichtigen Erlebnissen - jede Gelegenheit sucht, ihn auch vor allem jagdlich zu prägen, ihn also mit erlegtem oder sogar lebendem Wild/-witterung zu konfrontieren, brauche ich wohl nicht extra zu erwähnen.

 

 

Wichtig sind aber - besonders in dieser Anfangszeit – auch die Kontakte zu Artgenossen von unterschiedlichem Alter, Größe, Farbe, Aussehen und Geschlechts. Auf diese Weise kann man – zum Beispiel bei Welpenspieltagen oder in Hundeschulen, wo altersmäßig zusammenpassende Gruppen gebildet werden und stressfreier Umgang der Hunde untereinander eingeübt wird – viel dafür tun, dass es später in den Hundeführerlehrgängen und vor allem natürlich auf der Jagd nicht zu unliebsamen Begegnungen und negativ prägenden, schmerzhaften Erlebnissen kommt.

 

 

Ebenfalls sollte man gleich am Anfang bedenken, dass der so niedliche, verschmuste Welpe nicht unbedingt immer so klein und „lieb“ bleiben wird – er sollte gleich von Anfang an Grenzen gesetzt bekommen. Das heißt, dass Schuhe, Teppiche, Zeitungen oder Bücher und Möbel zum Spielen und Knabbern absolutes Tabu sind. Hunde können nämlich nicht unterscheiden, was alte oder neue Schuhe oder Socken etc. sind – daher unbedingt: „Nein“ ist nein und „Aus“ ist aus! Ganz besonders wichtig ist das z.B. auch bei Stromkabeln, die gelegentlich frei irgendwo liegen. Genauso sollte man auch jetzt schon drauf achten, dass man Spiele jederzeit beenden und ihm immer auch Dinge wegnehmen kann. Das ist „das gute Recht“ des Führers, aber auch seiner Familie, einschließlich der Kinder und das sollte auch unbedingt mit wachsendem Alter des Junghundes immer wieder einmal „überprüft“ werden. All diese Alltags-Übungen sind geeignet, den Hund nicht nur für „das normale Leben“ tauglich zu machen, sondern sie bedeuten außerdem einen kleinen, aber wichtigen Baustein für die Ausbildung zum Jagdhund.