(Keine) Panik vor der Hundeprüfung!?!

Es wird langsam Herbst und damit kommt die spannende Zeit nicht nur des fröhlichen Jagens, sondern (vorher) auch der Hundeprüfungen, die den hoffentlich erfolgreichen Abschluss der Ausbildung oder eines Ausbildungsabschnittes bilden sollten. Nicht selten verlässt den einen oder anderen Hundeführer dann doch der Mut und es wird nicht zur Prüfung gemeldet oder angetreten. Dabei liegt das Problem oft beim Führer und seiner Psyche, seiner Einstellung oder Angst vor diesem „Tag der Wahrheit.“ Ich möchte deshalb hier mal ganz generell einige Erfahrungen und Empfehlungen zusammenstellen, um damit vielleicht nicht nur Erstlingsführern ein wenig zu helfen.

 

Zunächst hier ein eigentlich ganz selbstverständlicher Hinweis: Jeder Hundeführer sollte für jede Prüfung, auf denen er führen will, im Besitz einer gültigen Prüfungsordnung sein. Diese Prüfungsordnung sollte er sich nicht nur rechtzeitig besorgen, sondern sich diese auch sorgfältig und in allen Teilen durchlesen! So können Verständnisfragen im Vorfeld abgeklärt werden.

 

Die Prüfungsordnungen des JGHV und der verschiedenen Zuchtvereine findet man auf den jeweiligen Homepages, die BPO Hessen kann auf der Seite des LJV heruntergeladen werden. Besser und handlicher sind aber eigentlich immer die ebenfalls für alle Rassen erhältlichen gedruckten und meist in handlicher Größe gebundenen PO’s. Man kann sie gut in der Hosentasche dabeihaben und sollte sich im Vorfeld der Prüfung zum Beispiel an ansitzfreien Neumondabenden unbedingt schon mal damit befassen. Die hessische BPO gibt es in gebundener Form für 7 € beim „Hessenjäger-Verlag“ Neumann-Neudamm bzw. bei JANA Jagd + Natur.

 

Jeder Hundeführer sollte sich bereits frühzeitig um die Kenntnis der Termine der Prüfungen bemühen. Manch ein Verein hat sehr lange vor der Prüfung bereits Nennschluss oder es gibt Beschränkungen der Anzahl der Hunde, die auf der geplanten Prüfung angenommen werden. Es ist also auch empfehlenswert, den Hund auf dem entsprechenden Formblatt (beim JGHV Formblatt 1, beim LJV Anlage 1 – Nennung) rechtzeitig anzumelden. Es muss mit Computer oder Schreibmaschine sorgfältig ausgefüllt werden und das Nenngeld ist zu bezahlen. Falls man den Hund vor dem in der Prüfungsausschreibung genannten „Nennschluss“ – aus welchen Gründen auch immer – „zurückzieht“, also abmeldet, hat man Anspruch auf Rückerstattung des gezahlten Nenngeldes. Ansonsten ist Nenngeld „Reuegeld“, das heißt, es bleibt beim Verein, der ja auch bereits Planungsaufwand hatte.

 

Sehr empfehlenswert ist es, schon bevor man selbst seinen Hund auf einer Prüfung führt, sich die vorgesehene Prüfung einmal als Zuschauer anzusehen. Dies kann man sinnvollerweise im Jahr bevor der eigene Hund „dran ist“ oder auch bei einer anderen Kreis- oder Landesgruppe machen. Vieles, was man sich kompliziert vorstellt, wenn man die PO liest, wird dann schon klarer und so manche Sorge vor dem, was alles auf das Gespann zukommt, verfliegt. Häufig sind Ängste vor Prüfungen auch begründet in Horrorgeschichten, die von anderen Hundeführern erzählt werden. Meist sind das solche, die nicht so gut wie erhofft abgeschnitten haben oder auch jene, die sich als besondere Helden darstellen wollen. Bei diesen Erzählungen spielen „die Richter“ oft eine große Rolle. Ganz sicher sollte ein guter Verbandsrichter „kein Hin-Richter“ sein, er darf und soll aber im Sinne des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit auch „keine Geschenke verteilen“.

 

Selbstverständlich sind auch Richter nur Menschen, aber eben besonders geschulte und sachkundige aktive Jäger mit Hund. Sie fühlen fast alle mit jedem Führer-Hund-Gespann mit, zumal sie ja meist auch selbst immer wieder auf Prüfungen führen und sehr genau wissen, wie sich der Führer fühlt. In dem ihnen möglichen und erlaubten Rahmen versuchen sie daher auch meist, den Prüflingen Hilfen zu geben.

 

Besonders benötigen diese Hilfen natürlich Erstlingsführer, die sich daher auch unbedingt als solche in ihrer Richtergruppe melden sollten! Insbesondere bei größeren Prüfungen mit mehreren Richtergruppen genügt es nicht, dieses bei der morgendlichen Anmeldung dem Prüfungsleiter mitzuteilen.

 

Um die Ansagen und Tipps der Richter aber auch zu hören, sollte man während der gesamten Prüfung versuchen, sich immer bei der Gruppe aufzuhalten und zuzuhören. Keine Telefonate führen, keine Geschichten erzählen, … kein Richter hat Lust, jedem Führer aufs Neue und bei jedem Gang/Fach alles einzeln immer wieder zu erklären; auch geht dabei für alle unnötig Zeit verloren. Also immer in Bereitschaft halten und so nah bei den Richtern bleiben, wie es erlaubt wird. Dabei müssen sich Führer von läufigen Hündinnen selbstverständlich abseits halten und natürlich ihre Hündin so lange im Auto lassen, bis sie aufgerufen wird. Ganz generell muss die Läufigkeit einer angemeldeten Hündin beim Prüfungsleiter angemeldet werden. Der Führer dieser Hündin muss dann auf jeden Fall versuchen, dass andere Hunde – es stört nicht nur Rüden, aber die natürlich besonders – nicht beeinflusst werden.

 

Doch jetzt kommt von mir ein großes „ABER“: Manch ein Richter gibt während der Prüfung sehr gute und absolut wohlgemeinte Tipps an die Führer – es macht jedoch aus meiner Erfahrung absolut keinen Sinn, am Prüfungstag plötzlich anders mit dem Prüfling umzugehen, als bei der Vorbereitung. Der Führer verunsichert damit seinen Hund meist mehr, als dass es dem Gespann hilft. Auch daher ist es also gut, bereits vorher mal bei Prüfungen dabei gewesen zu sein; das dort Erlebte kann dann ggf. noch beim eigenen Führen umgesetzt werden.

 

Überhaupt gilt es, sich am Prüfungstag „so normal, wie möglich“ zu benehmen. Am besten ist es, wenn man versucht, sich vorzustellen, es sei „ein ganz normaler Übungstag“. Hunde erkennen Angst und Unsicherheit ihrer Führer/in und benehmen sich dann auch entsprechend anders als sonst – und so entsteht ein Teufelskreis. Wer bis zum Prüfungstag seinen Hund gut vorbereitet und mit ihm die entsprechenden Anforderungen am besten bereits einmal vorher bei einer kleinen Generalprobe prüfungsnah durchgeübt hat, der sollte sich am Prüfungstag wie immer benehmen.

 

Das bedeutet aber auch, dass auch die Führer, die ihren Hund alleine im Revier und zu Hause vorbereitet haben, diesen auch mal unter Prüfungs- (und das sind ja auch oft Jagd-)bedingungen arbeiten lassen sollten. Viel zu oft hören wir als Richter die häufig belächelte Aussage: „DAS hat er ja noch nie gemacht!“ Ja, und er hat das vielleicht auch wirklich noch nie gemacht … denn er hatte ja auch noch nie so viele Menschen bei der Schleppe neben sich, einen fremden Schleppenzieher am Ende und andere Hunde in der Nähe. Oder er musste schlichtweg noch nie so lange warten, bis er an die Reihe kam und regt sich jetzt auf, benimmt sich nicht wie sonst.

 

Bei diesem Warten während der Prüfung ist es auch für Hunde, die das vom Üben kennen, absolut schlecht, wenn sie zuschauen können und dürfen, wie und wo ein anderer Hund sucht oder seine Schleppe arbeitet. Immer wieder passiert es dann nämlich, dass der Hund zurückläuft zu der Schleppe oder in das Suchengelände seines Vorgängers. Daher mein gut gemeinter Tipp: Deckt die Autofenster ab bei diesen Aufgaben oder – besser – lasst den Hund in der (ihm selbstverständlich lange vertrauten) Transportbox im Auto sitzen, die man z.B. komplett blickdicht mit einer Decke abdecken kann. Ein guter Zusatzeffekt ist, dass die Hunde zwischen den einzelnen Übungen besser abschalten können, was bei großen, langdauernden Prüfungen ebenfalls sehr hilfreich ist!

 

Und noch ein Tipp: Das Auto sollte (auch bereits beim Üben) nicht in der Nähe des Schleppenanfanges stehen und Autotüren/-klappen sollten auf jeden Fall während der Arbeit des Hundes geschlossen sein. Es wäre nicht der erste Fall, dass ein von der Schleppe zurückkehrender Hund mit dem Apportierwild ins Auto springt, statt es zum Führer zu bringen.

 

Was sollte man noch möglichst beachten:

 

Nicht bis zur letzten Minute mit dem Hund üben – man muss auch aufhören und vertrauen können! Wie oft hört man von dem frustrierten Führer eines durchgefallenen Hundes: „Ja, aber gestern Abend hat er die Schleppe doch noch gearbeitet – warum zum Teufel will er das denn jetzt nicht mehr? Wir haben's doch extra gestern Abend noch mal probiert?!?“ Ich bin bisher immer gut damit gefahren, dass ich in der letzten Woche vor der Prüfung mit dem Prüfling nichts mehr mache – außer vielleicht Gehorsam, der schadet nie! Der Rest sollte sowieso klappen, am Vorabend lernt das auch kein Hund mehr!

 

Bereits am Vorabend der Prüfung sollte man alles bereitstellen, damit morgens keine Hektik aufkommt. Das sind Original-Ahnentafel – keine Kopie!!!, Impfpass, Jagdschein, ggf. Bescheinigungen über abgelegte Prüfungen und Nachweise, das Original-Nennungsformular mitnehmen, Prüfungsordnung, Wasser, Napf, ggf. etwas Futter und Belohnung, Getränk und Verpflegung für den Führer, falls während der Prüfung „aus dem Rucksack gelebt wird“, Geld und Handy, Gummistiefel und Regenkleidung, falls das notwendig erscheint.

 

Das Auto genügend auftanken – man weiß nie, wie weit man vom Suchenlokal und in den Revieren noch fahren muss. Nichts ist für alle störender, als wenn ein Gruppenmitglied erst mal noch zu einer Tankstelle gelotst werden muss …

 

Am Vorabend normal füttern, am Prüfungsmorgen weniger als sonst.

 

Zeitig losfahren! Dann ist genug Zeit, den Hund vor dem Melden im Prüfungsbüro möglichst noch mal lösen zu lassen.

 

Wer mit seinem Hund am Prüfungsort übernachten will/muss, sollte das nicht zum ersten Mal tun! Ein Hund, für den das Übernachten im Hotel oder im Auto (dieses mache ich immer, es ist dem Hund vertraut) nicht kennt, ist am Prüfungsmorgen sonst unausgeschlafen und „anders als sonst“. Auch längeres Autofahren sollte der Prüfling ggf. natürlich kennen.

 

Pünktlich beim Prüfungsleiter anmelden. Dann kann man auch selbst noch ein aufmunterndes oder beruhigendes Getränk zu sich nehmen und sich mit den anderen Prüfungsteilnehmern in Ruhe bekannt machen.

Eine dadurch entspannte Atmosphäre führt wiederum zu einer angenehmen, stressfreien Prüfung. Hektik bewirkt in jeder Hinsicht das volle Gegenteil!

 

Wenn es nun aber trotzdem nicht so läuft, wie erhofft, immer bedenken: „Der Hund ist auch nur ein Mensch!“ und keine Maschine! Ein ganz großer erfolgreicher Führer sagte mal: „Führe du erst mal so oft auf Prüfungen, wie ich schon durchgefallen bin …“ Durchfallen ist keine Schande, nicht Üben und nicht Antreten dagegen sehr wohl!

 

Jetzt wünsche ich allen, die sich aufraffen und mit ihren Vierläufern zu Prüfungen antreten viel Glück, Erfolg, gute Nerven und kräftiges Waidmannsheil!