Das Bringen von Fuchs- ein oft gefürchtetes Prüfungsfach

Das Bringen von Fuchs – ein oft gefürchtetes Prüfungsfach

 

 

Die Prüfungsfächer „Bringen von Fuchs auf der Schleppe“ und „Bringen von Fuchs über Hindernis“ stellen für sehr viele Hundeführer eine große Klippe dar. Häufig scheitert daran die geplante Teilnahme oder der erfolgreiche Abschluss der VGP. Doch zu Recht gehören diese beiden Fächer in die „Meisterprüfung“ der Vorstehhunde, denn sie sollen zeigen, dass sie auch schweres, unangenehm-riechendes Wild zuverlässig zum Führer bringen.

 

Auch wenn sich hier in Diskussionen bei manchen Hundeführern die „Geister scheiden“, ob das Prüfen und das vorher natürlich notwendige Üben mit dem Fuchs in Zeiten von Fuchsbandwurm, Wildtierstaupe und Räude noch zeitgemäß sei, vertritt die Mehrheit der Kynologen im JGHV weiter die Meinung, dass auch Füchse es immer verdienen, mit dazu brauchbaren Hunden ordentlich nachgesucht zu werden. Inzwischen haben ja erfreulicherweise seit dem Beginn der „Aktion Fellwechsel“ die Fuchsbälge auch wieder einen materiellen Wert. Doch selbst in der Jahreszeit, wo der Balg noch nicht reif ist, muss man jeden beschossenen Fuchs aus Gründen der Waidgerechtigkeit unbedingt nachsuchen und sich bringen lassen.

 

Doch wie kann man dieses Prüfungsfach am besten vorbereiten, wenn jetzt die Herbstzuchtprüfungen vorüber sind und der Blick hoffnungsvoll auf das nächste Ziel gerichtet wird?

 

Da sollte zuerst einmal mit den Hunden regelrecht die Kiefer- und Nackenmuskulatur aufgebaut werden, denn „richtige“ Füchse, die im jagdlichen Alltag erlegt werden, wiegen deutlich mehr als Kaninchen und Ente, das bei zur HZP verwendete Schleppwild. Die VGPO verlangt, dass die zur Verwendung auf der Prüfung zugelassenen Füchse ein Mindestgewicht von 3,5kg auf die Waage bringen. Auch über diese Gewichtsuntergrenze gab es auf den Verbands­tagen des JGHV in den letzten Jahren bereits nicht zu Unrecht Vorschläge/Anträge und viele Diskussionen zur Änderung der Prüfungsordnung und Erhöhung des Mindestgewichtes. Wer nicht nur für die Prüfungen übt, sondern von seinem Jagdhelfer auch in der Praxis sichere Arbeit erwartet, der weiß, dass das Gewicht von 3,5kg nur bei ziemlich jungen Füchsen vorhanden ist. Wenn in Hessen am 15. August die Jagdzeit auf den Fuchs wieder beginnt, haben fast alle Füchse (zumindest hier bei uns im Kinzigtal) diese Gewichte bereits überschritten. Dieses spiegelt sich übrigens auch in den Preislisten der inzwischen weit verbreiteten Schleppwildhändler nieder: Füchse in der Gewichtsklasse des Mindest-Prüfungsgewichtes, also von 3,5 bis 4,5kg, sind teuer (55-60€ sind da fast die Regel), denn die Nachfrage ist groß und sie sind – genau wie ganz leichte Jungfüchse – fast immer bereits im Spätsommer ausverkauft.

 

Ich beginne schon bald nachdem der Junghund das „ernsthafte“ Apportieren gelernt hat, mit unterschiedlichen Apporteln den sogenannten Schwerapport zu trainieren. Dazu verwende ich zunächst den bewährten „Oberländer-Apportierbock“, an den nach und nach Gewichtsscheiben – zunächst aus Holz, dann aus Metall – angebracht werden und so das Tragegewicht nach und nach auf mindestens 5kg erhöht wird. In der Mitte umwickle ich diesen Apportierbock mit einem alten Handtuch oder mit Fell, damit die Zähne geschont werden. Inzwischen gibt es auch Apportierböcke, deren Mittelstab mit festem Schaumgummi ummantelt ist, was denselben Zweck erfüllt. Die Gewichte erhöhe ich, abhängig von der Trainingshäufigkeit, ca. 1–2-mal pro Woche um 200–300g. Gern verwende ich auch dreiteilige Apportiersäcke, mit oder ohne Fellummantelung, deren Gewicht sich nach und nach durch Zugabe von Sand erhöhen und so dem Trainingsstand gut anpassen lässt.

 

Mit diesem Training sollte man möglichst frühzeitig beginnen, denn Muskulatur baut sich ja nicht innerhalb von einigen Tagen auf. Ich persönlich bin ein erklärter Gegner davon, den Hund als Training in Haus und Garten, auf Spaziergängen oder beim Radfahren mit dem Apportel laufen zu lassen. Bei mir bedeutet Apportieren = herantragen und nicht herumtragen. Ich nehme das Apportel auf nahezu jeden Spaziergang mit, lege es immer wieder am Wegrand ab und lasse es auf der Rückfährte holen, auch über richtig weite Strecken von deutlich über hundert Metern. Nebenbei ist dieses in Zeiten, wo mal nicht viel Freilauf möglich ist, auch eine sehr bewährte Möglichkeit, den Hund auszulasten, ihn fit und gehorsam zu halten.

 

Nun ist ein Fuchs aber ja nicht nur schwer, sondern auch „unhandlich“, denn er muss auf der Prüfung „naturbelassen  und mit voller Luntenlänge“ verwendet werden. Alles andere wäre ja auch „Zirkus“, denn mit Stroh ausgestopfte Füchse mit gegerbtem Balg sind mir in der Jagdpraxis noch nie untergekommen. (Lediglich den Kopf dürfte man z.B. für die Tollwutuntersuchung vor der Prüfung entfernen). Man muss also zusätzlich auch immer trainieren, dass der Griff am jeweiligen Bringgegenstand so angesetzt wird, dass das Gewicht rechts und links einigermaßen gleichmäßig verteilt ist. Ansonsten tritt der Hund beim Bringen nämlich dem Fuchs auf die Lunte und kann ihn dabei verlieren.

 

Ja, und dann haben Füchse natürlich vor allem noch ein „Problem“ – sie „stinken“, haben also einen Geruch, der Hunden (und Menschen) eher unangenehm ist. Sicher ist es da hilfreich, wenn der Hund als Welpe bereits Kontakt mit erlegten Füchsen und anderem Raubwild hatte und so seine Abneigung sich gar nicht so sehr entwickelt hat. Aber auch Hunde, die diese Vorprägung nicht hatten oder die als Welpe nicht an „den Stinker“ wollten, lernen es mit konsequentem Üben genauso gut. Es erweist sich beim Bringen oder Nicht-Bringen des Fuchses, ob der Hund gelernt hat, jedes tragbare Wild zuverlässig zu apportieren, auch wenn er dazu weder Lust noch Appetit auf die ihn erwartende Belohnung hat.

 

Bereits zu Beginn des Apports mit Wild verwende ich deshalb als Schleppwild immer wieder auch Stücke, die nicht zum beliebten „Nutzwild“ gehören, ich lasse also zum Beispiel Krähen, Marder und Jungfüchse tragen und bringen. Jungfüchse haben noch verhältnismäßig wenig Geruch und in Kombination mit der zuverlässig gelernten Technik (Gewichte tragen können und austarieren) wird damit die Abneigung gegen den Fuchs schon langsam etwas verringert. Nach und nach kann man dann mit stärkeren Füchsen üben. Aus meiner Erfahrung haben wunderschöne, aber teure Fuchs(fell)dummies, die mit gegerbtem Fuchsfell hergestellt wurden, außer zum Gewichtstraining keinen wirklichen Effekt. Diese rund 80€ teuren Hilfsmittel sowie auch sogenannte „Trocken-Füchse“ werden von den Hunden wesentlich lieber genommen und haben nicht mehr viel mit „echten Füchsen“ gemein. Auch die Verwendung des synthetischen Fuchsduftstoffs, den man auf diese Attrappen träufeln kann, hilft dagegen nicht. Er muss lernen zu bringen.

 

Dass es dafür anschließend dann auch großes Lob, Belohnung und Freude/Spiel geben darf, widerspricht diesem „Müssen“ nicht. Sowas erhöht die Bringfreude, die aber als alleinige Motivation im Allgemeinen nicht ausreichen wird. Ich hoffe, dass sich mit dieser kleinen Anleitung und den Erklärungen jetzt doch der eine oder andere Hundeführer an die Arbeit macht. Es ist nämlich ein unglaublich schönes Gefühl, wenn der eigene Hund dem Führer dann auf der Jagd an allen Treibern und Schützen vorbei mit stolzerhobenem Haupt den schweren Winterfuchs zuträgt oder den noch geflüchteten Fuchs aus der Dornenhecke zerrt und bringt. Nebenbei ist damit dann auch eine der größten Hürden zum Bestehen der VGP genommen!