Der Jagdhund auf der ersten Jagd: Wann und wie?

Es ist Herbst und es ist Jagdzeit. Das ist für die aktiven Jäger die Zeit der „Ernte“ und damit hoffentlich auch eine Zeit der Freude. Die Jäger mit Hund werden jetzt belohnt für Zeitaufwand und Mühen, die sie im Laufe des Jahres bei der Ausbildung ihres vierbeinigen Jagdhelfers aufgewendet haben. Der angestrebte Nachweis der Brauchbarkeit konnte hoffentlich erbracht werden und nun soll der Jagdgebrauchshund endlich in der Praxis eingesetzt werden.

 

Dazu erreichen mich immer wieder Fragen, wann und wie dieses am besten geschehen soll, damit nicht nach wenigen Einsätzen alle Mühe umsonst war und alles Gelernte „vergessen“ ist. Die folgenden Stichpunkte und Tipps beruhen auf meinen Erfahrungen und haben sich für mich und mein Umfeld bewährt – es gibt aber selbstverständlich auch andere Wege, die zum Ziel führen können!

 

·         Zunächst mal meine dringende Empfehlung, dass man seinen – jungen oder auch schon etwas älteren – Hund immer nur dann zur „Gesellschaftsjagd“ mitnimmt, wenn man auch bereit und in der Lage ist, ihn „zu führen“, sich also um ihn zu kümmern. Ansonsten bemerkt dieser ganz schnell, dass der Führer sich an solchen Tagen nicht so wie bisher gewohnt und wie eingeübt verhält. Er „testet aus“, welche Regeln an Jagdtagen noch gelten und gewöhnt sich ganz schnell daran, dass viele kleine Fehler im Beisein von anderen Jägern eben nicht mehr korrigiert, sondern stillschweigend hingenommen werden. Daher: Wer nicht bereit oder (z.B. als Jagdleiter) nicht dazu in der Lage ist, sollte den Hund an diesen Tagen doch besser daheimlassen

 

·         Den jungen Hund, der noch nicht oft auf größeren Jagden war, nehme ich nur alleine mit, meine weiteren Hunde bleiben zu Hause. So kann ich mich neben der Jagd­ausübung besser auf ihn konzentrieren. Es beginnt oft schon bei der Begrüßung der anderen Jagdteilnehmer. Die allgemeine fröhliche Aufregung überträgt sich auf die Hunde, da wird gepiept, gejault und vor allem am Riemen gezerrt, ohne dass – wie das beim Training sonst üblich war – korrigierend und beruhigend eingegriffen wird. Und schon bald geht’s weiter. Da wird dann zum Beispiel bei der Ansprache „Sitz“ befohlen, aber nicht durchgesetzt – man muss ja zuhören und dabei ist die Beobachtung des Hundeverhaltens – zugegeben! – nicht immer einfach. Aber es ist wichtiger, als man denkt, denn jedes „Nicht-Korrigieren“ von kleinen Fehlern lässt schnell weitere folgen! Alternativ dazu kann man seinen Hund am Anfang der Jagd meist auch noch im Auto warten lassen, bis es wirklich losgeht. Im Allgemeinen lege ich in solchen Situationen meine Hunde in Sichtweite mit dem Kommando „Bleib“ ab und verlange von ihnen, dass sie sich (wie oft geübt) selbst zurücknehmen. Das klappt fast immer viel besser, als wenn ich dasselbe neben mir im Trubel an der Leine verlangen würde. Beobachten muss ich sie natürlich trotzdem sehr genau und dass ich auch hier bei jedem Fehlverhalten sofort einschreiten muss, versteht sich ja wohl von selbst.

 

·         Das gleiche gilt natürlich für jede – auch nur angedeutete! – Form von Aggression gegenüber anderen Hunden (oder gar Menschen)! Es gibt für mich keine Ausrede, warum der eigene „Fifi“ brummen, knurren, schnappen oder auch nur „sich steifmachen“ darf – jegliche Andeutung dazu wird „bereits im Keim“ unterdrückt. Und da ist es mir völlig egal, ob er mich oder unsere Beute oder unseren Sitzplatz auf dem Wagen oder seinen     „Freiraum“         verteidigen will – wenn ich sage „NEIN!“ (und das sage ich immer!) dann hat er das nicht zu tun! Ich hasse Hundestreitereien auf Jagdwagen, in Jägergrüppchen oder gar beim Jagen! In irgendeiner Form aggressive Hunde – gleich welcher Rasse! – gehören meiner Meinung nach nicht auf Gesellschaftsjagden.

 

·         Vor und zwischen einzelnen Treiben sollte man natürlich auch auf Gehorsam achten, denn auch hier überträgt sich schnell die allgemeine Aufregung auf die Hunde, die dann die auf den Brauchbarkeits- oder Verbandsprüfungen nachgewiesene Leinenführigkeit und das ruhige „Verhalten auf dem Stand“ ganz schnell vergessen. Auch hier hilft mir das „Down“, „Halt“ oder „Platz“ immer sehr. Man kann den Hund notfalls auch immer wieder beim An-der-Leine-gehen damit „einbremsen“.

 

·         Wer seinen Hund mitnimmt zu Niederwildjagden – Enten, Tauben, Krähen werden ja hier in Hessen noch häufig bejagt, dasselbe gilt ebenso für Hasen, Fasanen, Kaninchen – der sollte nicht nur auf den ersten solchen Jagden, sondern unbedingt immer beachten, dass der Hund zum Apportieren auf in Sichtweite gefallenes Wild möglichst garnicht geschickt wird. Wenn doch, sollte immer erst eine gewisse (Beruhigungs-)Zeit vergangen sein, bis der Befehl zum „Apport“ gegeben wird. Ansonsten wird der Schuss und spätestens das fallende Wild ganz schnell zum Ersatzbefehl und der Hund stürmt bald ohne Kommando los. Folge davon ist dann oft auch, dass der aufgeregte Hund dadurch zusätzlich schnell zum Knautschen neigt, denn diese ungebremste Freude, die sogenannte „Schusshitze“, führt schnell zu „unsauberem“, wenig wildbretschonendem Apportieren und außerdem fast immer auch zum Verlust der Standruhe. Also zur Ruhe zwingen, erst dann apportieren lassen, wenn der Hund wieder möglichst entspannt liegt.

 

·         Wo immer möglich, sollte man verhindern, dass zwei Hunde einen Wettlauf hinter einem beschossenen oder zu einem gefallenen Stück Wild machen. Auch hier hilft wieder das oft zitierte und hoffentlich fleißig geübte Down, die Wildbretqualität zu erhalten und Streitereien bereits im Ansatz zu verhindern.

 

·         Hunde, die im Apportieren noch nicht fertig durchgearbeitet sind, gehören für mich auf keinen Fall auf Niederwildjagden. Bestenfalls kann der Führer seinen jungen Hund angeleint mitnehmen, um ihn mal die Atmosphäre erleben zu lassen. Oft aber führt das bei unseren ja fast durchgängig mit großer Passion „gesegneten“ Hunden zu heftigem Ziehen an der Leine und Einspringen. Wer nicht bereit ist, hier dann mehr zu regeln als zu jagen, der sollte mit dem Mitführen des noch nicht ausgebildeten Hundes unbedingt warten.

 

·         Wer seinen im Apportieren (noch) nicht fertigen Hund mitführt und ihn – wie es leider häufig gemacht wird – „damit er es mal probiert/lernt“ zum Bringen einer warmen, frisch erlegten Taube oder eines Kanin schickt, der hat meist ganz schnell einen Hund, der mit dem warmen Wild spielt, knautscht, immer wieder zugreift. Sowas sollte man daher keinesfalls machen, denn dieser Fehler ist dann später nämlich nur sehr schwer wieder herauszubekommen.

 

·         Zum Einsatz von Hunden auf Bewegungsjagden, wo in Dickungen und Wäldern auf Schalenwild und Füchse gejagt wird, habe ich bereits im letzten Hessenjäger ausführlicher meine Erfahrungen beschrieben. Hier halte ich es grundsätzlich für sehr sinnvoll, bereits den noch jungen Hund einige Male zu solchen Jagden mitzunehmen, ihn dort auch schon mitlaufen zu lassen. Doch meine Empfehlung ist es, insbesondere junge Vorstehhunde und alle Hunde, die vielseitig eingesetzt und nicht nur alleine jagen sollen, bei solchen Jagden – zumindest in den ersten Jahren – im Treiben zu begleiten. Ich gebe sie auch nicht Treibern oder anderen Führern mit und würde sie erst recht nicht vom Stand aus schnallen. Oft entwickeln sie sich dadurch zu den allseits so beliebten „Standverteidigungshunden“, die sich im Umkreis von 100 bis 300 m um den Stand ihres Besitzers aufhalten und dort jedes Wild, was sich in diesem Bereich dem Jäger oder seinen rechten oder linken Nachbarn annähert, mehr oder weniger laut fröhlich verjagt. Oder sie laufen nur am Weg/Schneisen hin und her, um immer bereit zu sein, schnell dorthin zu laufen, wo „die Musik spielt“, wo andere bellen oder es knallt und dort nur „mitzumachen“. Erfolge beim Rehwildjagen können sie dann schnell für das sorgfältige Stöbern und Absuchen von Dickungen und Unterholz „verderben“. Ich empfehle daher, wenigstens anfangs immer mit dem jungen oder auch schon ausgebildeten Hund mitzugehen. Dann kann man Gehorsam einfordern, das heißt, beim Anhetzen/Laut werden folgt Trillerdown und dann heranrufen. Auf diese Art in Bewegung gebrachtes Wild bleibt nach kurzer Zeit stehen und versucht herauszufinden, wo der Verfolger abgeblieben ist, und lässt sich wieder gut ansprechen. Um diesen Gehorsam zu erhalten, muss man aber zwischen den einzelnen Jagden immer wieder daran arbeiten.

 

 

 

Also – zusammenfassend noch mal meine Meinung:

 

·         Jagdtage sind keine Ausbildungstage. Die Ausbildung hat weitgehend vorher zu passieren, damit ich dann während der Jagd auch die Erwartungen der Jagdleitung weitgehend erfüllen kann.

 

·         Wie gesagt, dass das eine oder andere unerwartet oder nur beim gemeinsamen Jagen auftretende Problem direkt „nachgearbeitet“ werden muss, kommt immer wieder mal vor und dafür sollte auch Verständnis aufgebracht werden.

 

·         Doch grundsätzlich sollten Führer und Hund, wenn sie Einladungen annehmen, zum waidgerechten Jagen bereit und in der Lage sein.

 

·         Nach und nach – ehrlich gesagt bei guter Führung dann meist im Verlauf von einem bis zwei Jagdjahren – entsteht ein tolles Gespann von Hund (oder Hunden) und Führer, das überall gern eingeladen wird und alle anfänglichen Mühen schnell vergessen lässt.

 

 

 

Hierzu wünsche ich viel Freude und Erfolg!