Wildschadensbewertung mit neuen Richtwerten für 2017/18

Bei pauschalierenden Betrieben inklusive Umsatzsteuer

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Richtwerte Aufwurfschäden Marktfrüchte
06_Richtwerte f++r Aufwuchssch+ñden 2017
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Richtwerte Aufwurfschäden Futterpflanzen, Grünland
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.Für eine zügige Einigung bei der Bewertung von Aufwuchsschäden an landwirtschaftlichen Kulturen stehen auch für das Wirtschaftsjahr 2017/18 wieder aktualisierte Richtwerte vom Regierungspräsidium Kassel, Dezernat Landwirtschaft, zur Verfügung. Dr. Günther Lißmann stellt die Anwendung der Tabellenwerte vor und erörtert im Besonderen das Umsatzsteuerproblem beim Wildschadensersatz.

 

 

 

Die jährlich aktualisierten Tabellen enthalten Richtwerte zur Aufwuchsschadensregulierung sowohl für konventionell, als auch für ökologisch wirtschaftende landwirtschaftliche Betriebe. Wertangaben sind für Marktfrüchte und Futterpflanzen verfügbar, die laut § 32 Bundesjagdgesetz auch ohne Schutzzäune wildschadensersatzpflichtig sind. Die Richtwerte können neben der Wildschadensregulierung selbstverständlich auch für die Kalkulation aller sonstigen, nicht durch Wild verursachten Aufwuchsschäden, genutzt werden. Typisch sind hier Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen durch Straßen-, Wege- und Leitungsbau sowie Spritzschäden und sonstige Haftpflichtschäden. Die Richtwerte bilden die Grundlage für eine einheitliche, korrekte und praxisgerechte Schadensersatzkalkulation. Der vorliegenden Veröffentlichung sind die beiden Tabellen mit den Richtwerten für konventionell wirtschaftende Betriebe beigefügt. Die Tabellen für Produkte aus dem Ökolandbau sind auf der Internetseite des RP Kassel verfügbar (Adresse am Ende des Artikels).

 

 

 

Ausgangsgröße für die Aufwuchsentschädigung ist der erwartete Rohertrag von der geschädigten Fläche. Der Rohertrag für einen Hektar Erntefläche ergibt sich aus der Ertragsmenge in dt/ha, multipliziert mit dem Preis in €/dt. Da sich bei der Schädigung kleiner Flächen keine Kosteneinsparungen, z. B. bei der Düngung, beim Pflanzenschutz oder bei der Ernte ergeben, beinhalten die Richtwerte den vollen Rohertrag. Die Werte in der Tabelle geben den Schadensersatzbetrag an, der bei einem Totalschaden für einen Quadratmeter in Cent zu zahlen wäre.

 

 

 

 

 

Einsparbare Kosten

 

Werden größere zusammenhängende Flächen, etwa ab einem Hektar, total geschädigt, so sind in der Regel mindestens die Erntekosten einzusparen. Bei totaler Zerstörung des Aufwuchses im Frühjahr oder Frühsommer können je nach Schadenseintrittzeitpunkt auch Dünger- und Pflanzenschutzaufwand als einsparbare Kosten schadensmindernd berücksichtigt werden.

 

 

 

Ergeben sich als Folge des Aufwuchsschadens zusätzliche Erschwernisse, z. B. durch die Beseitigung und Entsorgung nicht zu erntender Pflanzenreste oder vorrübergehende Erschwernisse bei der Bewirtschaftung der nicht geschädigten Restfläche wegen ungünstigem Zuschnitt oder Bodenunebenheiten, so wirkt sich dieser Umstand auch schadenserhöhend aus und ist entsprechend zu berücksichtigen.

 

 

 

Marktfrüchte

 

Die Tabelle 1 enthält die Schadensersatzrichtwerte für Aufwuchsschäden an Marktfrüchten. Die Richtwerte sind auf der Grundlage der Produktpreise in der Ernte und für verschiedene Ertragsstufen angegeben. Die Produktpreise werden gemäß der Schadensersatzgrundsätze als Preise in der Ernte und frei erster Erfassungsstufe ermittelt. Da die Ernte in Deutschland bis Ende August anhält, können die Richtwerte immer erst Anfang September veröffentlicht werden, da für eine justitiable Preisdatenerfassung der gesamte Erntezeitraum einzubeziehen ist. Die Ertragsstufe ist von den Beteiligten oder vom Wildschadensschätzer/Gutachter für das geschädigte Feldstück in der Ernte zu schätzen, beziehungsweise durch Probewiegungen zu ermitteln. Je nach festgestellter Ertragsstufe kann in den Spalten I bis VII der Richtwerttabelle, der dafür gültige Schadensersatzwert in Cent/m2 abgelesen werden. Die mittlere Ertragsstufe (Ertragsstufe IV) beinhaltet immer den Durchschnittsertrag für das am Beginn der Zeile angegebene Produkt. Erhöhte Wiederbeschaffungskosten, z.B. bei wirtschaftseigenen Grundfuttermitteln, sind nach sachverständigem Ermessen beziehungsweise auf Nachweis ebenfalls hinzuzurechnen.

 

 

 

Futterpflanzen

 

Die Tabelle 2 enthält die Schadensersatzrichtwerte für Futterpflanzen, Grünland und Gründüngung. Von der Systematik her ist die Tabelle 2 vergleichbar der Tabelle 1 aufgebaut. Die Preise für wirtschaftseigne Grundfuttermittel werden, soweit vorhanden, von den Marktpreisen abgeleitet. Liegen keine signifikanten Marktpreise vor, so können die Preise vom Preis der Ersatzfuttermittel wie z. B. Futtergerste, unter Berücksichtigung der Futterwerte, abgeleitet werden. Auch in der Tabelle 2 sind die üblichen Durchschnittserträge in den mittleren Ertragsstufen III und IV angesiedelt.

 

 

 

 

 

 

Bei Schwarzwildschäden auf dem Grünland sei hier darauf hingewiesen, dass neben den Aufwuchsschäden auch die Wiederherstellung der Grünlandnarbe als weitere Schadensposition zu kalkulieren ist.

 

 

 

Umsatzsteuer nur bei Leistungsaustausch

 

Bei der Schadensersatzkalkulation stellt sich oft die Frage nach der Handhabung der Umsatzsteuer. Grundsatz bei der umsatzsteuerlichen Betrachtung ist, dass Lieferungen und sonstige Leistungen nur dann steuerbar sind, wenn ein Leistungsaustausch vorliegt. Ein Leistungsaustausch setzt voraus, dass Leistender und Leistungsempfänger vorhanden sind und der Leistung eine Gegenleistung (Entgelt) gegenüber steht. Liegt kein Leistungsaustausch vor, so ist der Umsatz nicht steuerbar. Das ist regelmäßig bei echtem Schadensersatz der Fall. Daher bekommt ein gewerblicher Unternehmer, der der Regelbesteuerung unterliegt, die Reparaturrechnung nach einem Autounfall nur netto von der Versicherung erstattet. Die Zahlung der Versicherung ist nicht auf den Erhalt einer Gegenleistung gerichtet. Ein Leistungsaustausch liegt nicht vor.

 

 

 

Regelbesteuerung oder Durchschnittssatzbesteuerung

 

Bei der Regelbesteuerung weisen gewerbliche Unternehmer und optierende Landwirte (Optierer) für die von ihnen getätigten Lieferungen und sonstige Leistungen Umsatzsteuer aus. Die mit diesen Umsätzen in Zusammenhang stehenden Vorsteuern können davon abgezogen werden. Nach Verrechnung von Umsatzsteuer und Vorsteuer entsteht für den jeweiligen Abrechnungszeitraum entweder eine Zahllast oder ein Erstattungsanspruch gegenüber dem Finanzamt.

 

 

 

Für den weitaus größten Teil der landwirtschaftlichen Betriebe ist die Durchschnittssatzbesteuerung nach § 24 UStG der Regelfall. Diese Betriebe werden auch Pauschalierer genannt. Die Form der umsatzsteuerlichen Pauschalierung ist im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass Vorsteuersätze und Umsatzsteuersätze so festgesetzt sind, dass der Saldo zwischen Vor- und Umsatzsteuer im Zeitablauf Null ergibt. Pauschalierende Landwirte haben damit den Vorteil, dass für sie aufwendige umsatzsteuerliche Aufzeichnungen und die Abgabe von Umsatzsteuererklärungen entbehrlich sind.

 

  

 

Umsatzsteuer als Teil des Schadens

 

Wir kennen den Fall, in dem der PKW des Landwirts einen unverschuldeten Unfall erlitten hat. Die Rechnung aus der Werkstatt beträgt 10.000 € plus 19 % Umsatzsteuer. Der zu zahlende Betrag beläuft sich auf 11.900 €. Der pauschalierende Landwirt erhält im Gegensatz zu seinem optierenden Kollegen den vollen Betrag von 11.900 € erstattet. Optierende Landwirte oder Gewerbetreibende erhalten von der Versicherung – weil echter Schadensersatz – nur den Nettobetrag von 10.000 €. Sie müssen aber an die Werkstatt den vollen Betrag von 11.900 € zahlen. Die Umsatzsteuer von 1.900 € erstattet Ihnen spätestens mit Abrechnung zur Umsatzsteuererklärung das Finanzamt.

 

 

 

Dieses Beispiel lässt sich so auch auf die Wildschadensabrechnung übertragen. Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass der pauschalierende Landwirt auf seiner Wildschadensrechnung keine 10,7% Umsatzsteuer offen ausweist. Die Umsatzsteuer ist in diesem Fall nur zur Berechnung der Schadenshöhe heranzuziehen. Das bedeutet auch, dass der Sachverständige/Wildschadensschätzer bei der Berechnung der Schadenshöhe unterscheiden muss, ob er einen Landwirt mit Regelbesteuerung (Optierer) oder mit Durchschnittssätzen (Pauschalierer) zu beurteilen hat. Grundsätzlich gilt: Bei der Durchschnittssatzbesteuerung sind die Kosten Brutto in die Rechnung einzubeziehen. Bei der Regelbesteuerung ist lediglich eine Nettokostenbelastung für den Betrieb gegeben.

 

 

 

Richtwerte inklusive Umsatzsteuer

 

Da der weitaus größte Teil der Landwirte Pauschalierer sind, enthalten die in den Tabellen angegebenen Richtwerte schon 10,7 % Umsatzsteuer und können für die Schadensberechnung bei Pauschalierern direkt so übernommen werden. Sollte es sich bei der Schadensberechnung um einen optierenden Landwirt handeln, so ist der jeweils benötigte Richtwert oder am Ende die Schadensersatzsumme, um die enthaltenen 10,7 % Umsatzsteuer zu verringern, um auf die Netto-Schadenssumme zu kommen.

 

 

 

Weitere Informationen zur Regulierung von Wildschäden auf www.lissmann.eu und Download der Richtwerte für konventionell und ökologisch produzierte Produkte auch unter www.rp-kassel.hessen.de/umwelt-natur/landwirtschaft/sachverständigenwesen.

 

 

 

 

 

 

Dr. Günther Lißmann, Wildschadenssachverständiger, Kassel