Jagd ohne Hund ist Schund




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Erste Schritte zu Ruhe und Gehorsam beim Jagdgefährten

Der Junghund hat sich inzwischen hoffentlich gut eingewöhnt, er kennt die Routine des Führers und seiner Familie. Vieles, was anfangs undenkbar erschien, gelingt eigentlich meist schon ganz gut:

  • Er weiß, wie er heißt und was von ihm erwartet wird, wenn sein Name gerufen wird.
  • Die Anwendung von Halsband und Leine sowie Autofahrten stellen keine Herausforderung mehr dar.
  • Er ist hoffentlich weitgehend „stubenrein“ und kann auch problemlos schon mal alleine im Haus, Hof, Zwinger oder einem „Zimmerkennel“ bleiben, ohne seinen Unmut darüber der Umgebung lauthals kundzutun.

Fast „unbemerkt“ hat er in Haus und Hof auch gelernt, dass es so manches gibt, was sein Führer oder die Familie nicht will – das Wort „NEIN“ ertönt beim Umgang mit einem Junghund bei mir anfangs doch recht häufig … Ich verwende es gern, es kann anfangs klar und ruhig, später auch mal laut und drohend ausgesprochen werden. Wenn man sich aber für dieses „Tabu-Wort“ entscheidet, sollte man zum Loben oder Bestärken möglichst nicht das Wort „FEIN“ verwenden, es klingt zu ähnlich. Ich lobe deshalb mit einem langgezogen gesprochenen „(So ist) BRAAAAV!“ – das ist nicht so leicht mit etwas anderem zu verwechseln. Das Wort „AUS“ – was man ja auch zum Beenden von Unfug oder anderem anwenden könnte – setze ich immer dann ein, wenn mir der Hund etwas „ausgeben“ soll, wenn er also Wild, Spielzeug, einen Knochen oder anderes an den Führer abgeben soll. Dabei achte ich bereits jetzt beim noch kleinen Junghund unbedingt darauf, „dass AUS auch Aus ist“, ohne Wenn und Aber. Ich dulde schon da kein Hochhüpfen, kein Wieder-haben-wollen, kein forderndes Bellen – was im Allgemeinen höchstens beim Welpen lustig/niedlich gefunden wird … Diese Konsequenz und das „Herauskehren der Chefrolle“ bewährt sich langfristig unbedingt!

Eine ganz wichtige weitere Übung, die fast unbemerkt „im Normalbetrieb“ immer wieder erfolgen sollte, ist das Wartenlernen! Wenn dieses bei älteren Hunden bisher versäumt wurde, ist es ebenfalls etwas, was man auch mit diesen unbedingt üben sollte. Führer von Retrievern können da im Allgemeinen für die meisten anderen Hundeführer ein großes Vorbild darstellen – bei ihren Prüfungen und natürlich damit auch bei der Ausbildung wird die „Steadiness“, also die (Stand)Ruhe ganz großgeschrieben. Diese auf der Jagd, aber natürlich auch im „normalen Leben“ absolut wünschenswerte Ruhe, die teilweise natürlich rasseabhängig als Anlage mal weniger oder auch mehr vorhanden ist, die aber auch ganz individuell beim einen Hund schwieriger als beim anderen zu erreichen ist, sollte bei jeder sich bietenden Gelegenheit gefordert und damit gefördert werden. Ganz viel Einfluss auf diese „Ruhe“ hat aber selbstverständlich immer der Halter und dessen eigenes Benehmen. Nur sehr selten wird man bei einem „Hektiker“ einen in sich ruhenden Hund finden.
Diese „Steadiness“, also Geduld, Ruhe und Gehorsam, müssen daher immer wieder wo immer möglich von der Welpenzeit an in vielen kleinen, immer größer werdenden Schritten gefordert und geübt werden. Als eine Übung kann man zum Beispiel fordern, dass der Junghund beim Zubereiten des Futters ruhig wartet, sitzt und erst auf Kommando an den bereitgestellten Napf geht. Weiter sollte das Ableinen zum Freilauf nicht gleichgesetzt werden mit der Aufforderung „Lauf!“, sondern immer erst ein unterschiedlich langer Zeitraum im „Sitz“ abgewartet werden. Dasselbe gilt für das Aussteigen aus dem Auto – diese Übung kann sogar lebensrettend sein! Es wird IMMER gewartet, bis das Kommando „Hopp, komm“ ertönt, selbstständiges Aussteigen wird sofort korrigiert, erneutes Warten ist für den ungeduldigen Hund die Folge und keinesfalls darf „Na gut, dann gehen wir mal trotzdem los, ich habe nämlich kaum Zeit …“ die Reaktion des Führers sein.
Viele solche Situationen ergeben sich im Laufe des Tages oder des Trainings – man muss sie nur erkennen und als Chance immer wieder nutzen. Anfangs übt man das alles alleine, dann in der Gruppe – ein Hund darf schon aussteigen, die anderen warten noch. Ein Hund wird mit seinem Namen abgerufen, die anderen müssen noch warten. Einer darf spielen, die anderen müssen zuschauen. Selbstverständlich sollte nicht der gesamte Spaziergang aus Gehorsam und Warten bestehen, aber wenn der Hund schon etwas gelaufen ist und etwas erleben konnte, dann sollte man immer wieder solche Gelegenheiten suchen und „einbauen“.
Besonders gut eignet sich dafür auch die altbewährte Reizangel, und zwar keineswegs nur für Vorstehhunde, die das Vorstehen erlernen oder demonstrieren sollen. Die Angel mit angehängtem Beutestück – das kann eine Lunte, ein Flügel, ein Stück Decke oder Fell, eine alte Socke, ein Gartenhandschuh oder natürlich auch ein Apportierdummy sein – wird beispielsweise vor dem Hund, der neben dem Führer sitzt, bewegt, dabei wird dieser ruhig zum Sitzen aufgefordert und eventuell mit leichtem Umarmen am Lossprinten gehindert. Selbstverständlich darf er dem „schnell fliehenden“ Beutestück an der Angel nach Freigabe durch den Führer auch immer wieder mal folgen („Voran!“), das plötzlich ruhig liegende Stück sollte er dann aber wiederum möglichst durch kurzes Verharren fixieren, daraus entsteht bei den Vorstehhunden meist schnell das längere Stehen oder langsame Anschleichen.
Der Hund, der ungeduldig sofort da-
rauf zu springt und packen will, dem wird durch schnelles Wegziehen der vermeintlich sicheren Beute im wahrsten Wortsinn der Erfolg entzogen. Das ruhige Verhalten dagegen wird ab und zu mit der Aufforderung „Fass“ (oder bewährt hat sich auch „Took!“) belohnt und der Hund darf dann zufassen, er wird danach herangezogen oder gelockt. Dass er die „Beute“ für sich in Sicherheit bringt, sollte dabei keinesfalls geduldet werden, aber das fällt relativ leicht, da das begehrte Beutestück ja am Faden der Reizangel hängt und damit für den Führer immer erreichbar bleibt. Für das (mehr oder weniger freiwillige) Herantragen und Abgeben der Beute gibt es natürlich eine Belohnung, sei es in Form von einer kleinen Futtergabe oder durch ausgiebiges Abliebeln und Loben!
Später kann mit diesen Übungen auch immer wieder der Gehorsam an flüchtendem Wild vorbereitet werden, wenn man den Trillerpfiff für Down als Abbruchsignal eingeübt hat und hier anfangs kontrolliert bei Flucht-Reizen einsetzt. Der leicht erkennbare Vorteil dieser Trainingsmethode ist, dass man weiß, was einen erwartet, dass man darauf vorbereitet ist und dadurch gezielt einwirken kann. So kann man sich in vielen kleinen Einzelschritten einen Hund erarbeiten, der nicht nur Zuhause – „Da macht er das immer alles!“ –, sondern auch in fremder Umgebung, mit Ablenkung und vor anderen Menschen den gewünschten Gehorsam und entspannte Ruhe zeigt.

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